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Überreichung des Verdienstkreuzes
Rede der Thüringer Ministerin für Soziales, Familie und Gesundheit, Christine Lieberknecht anlässlich der Überreichung des Verdienstkreuzes am Bande an Albrecht Feige aus Ingersleben und der Verdienstmedaille an Marga Frisch aus Bischofferode am Mittwoch, 1. Juli 2009, 15:00 Uhr
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Gäste, insbesondere:
sehr geehrter Herr Feige,
sehr geehrte Frau Frisch,
ich heiße sie alle heute sehr herzlich hier bei uns in Thüringer Staatskanzlei, dem Amtssitz des Thüringer Ministerpräsidenten Dieter Althaus, willkommen.
Ein sehr freudiger Anlass hat uns zusammengeführt:
Ich habe die Ehre, im Namen unseres Bundespräsidenten Horst Köhler, zwei Bürger mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland auszuzeichnen. Diese Aufgabe übernehme ich sehr gerne.
Denn es ist die schönste Aufgabe eines Regierungsmitgliedes, verdienten Mitbürgerinnen und Mitbürgern den Dank unserer Gemeinschaft in dieser Form aussprechen zu dürfen.
Und SIE alle haben sich hier eingefunden, um mit dabei zu sein, Frau Frisch und Herrn Feige als verdiente Bürger zu ehren und ihre Verdienste zu würdigen.
Die Aushändigung eines Ordens ist auch für mich immer etwas Besonderes.
In wenigen Wochen wird ein neuer Landtag gewählt. Die heutige Auszeichnung findet also zum Abschluss dieser Wahlperiode statt. Ja – man kann durchaus sagen, dass es sich um einen „Höhepunkt“ handelt.
Konrad Adenauer hat einmal gesagt: „Ehrungen, das ist, wenn die Gerechtigkeit ihren guten Tag hat.“
Ein Verdienstorden ist Ausdruck der Wertschätzung und der Anerkennung der besonderen Verdienste um das Gemeinwohl. Es ist nicht mit einer finanziellen Zuwendung verbunden, aber es ist auch nicht käuflich.
Diese hohe Auszeichnung ist vielmehr ein sichtbares Zeichen des Dankes für beispielhaftes, weit über das normale Maß hinausgehendes aktives bürgerschaftliches Engagement.
Die Verleihung dieses Ordens stellt daher nicht etwa eine Anerkennung für die Erledigung eigentlich selbstverständlicher Bürgerpflichten oder für die sorgfältige Erfüllung eigener beruflicher Verpflichtungen dar.
Nein – mit dieser Auszeichnung sollen vielmehr ganz besondere Leistungen, und zwar im Interesse der Allgemeinheit erbrachte Leistungen, geehrt werden.
„Eigentlich müsste man etwas tun…“ – Wer hat das nicht schon einmal gedacht, wenn er von einer Katastrophe hörte oder einer Notlage direkt vor der eigenen Haustür. Manchmal füllt man dann einen Scheck aus. Manchmal ist der gute Vorsatz aber auch schnell wieder vergessen. Und manchmal, liebe Gäste, erwächst daraus ein großes Engagement.
Ich freue mich sehr, dass wir heute mit Frau Frisch und Herrn Feige wieder zwei Menschen aus Thüringen würdigen, die tatsächlich Handeln, die etwas für andere tun und sich für das Gemeinwohl einsetzen. Heute ehren wir zwei Persönlichkeiten, die sich seit langer Zeit für andere Menschen engagieren. Für Menschen im In- und Ausland, für Jung und Alt.
Meine Damen und Herren, wer wie ich oft mit Menschen spricht, die sich ehrenamtlich engagieren oder Freiwilligenarbeit leisten, der kann immer wieder hören: „Ich mach doch gar nichts besonderes“ oder „Das ist doch selbstverständlich“. Und er wird merken, dass die ehrenamtlich Tätigen es nicht für so wichtig halten, über ihr Tun zu reden – sie handeln lieber. Und für dieses Handeln sagen wir heute Danke. Und wir reden darüber.
Sehr geehrte Damen und Herren,
die beiden Personen, die wir heute ehren, sind also Vorbilder für die gesamte Gesellschaft.
Wir nehmen die Auszeichnung traditionell in der Staatskanzlei vor – die als ehemalige kurmainzische Stadthalterei dafür einen angemessenen Rahmen bietet.
Lange Zeit wurde in diesem Hause über die Geschicke der Stadt Erfurt entschieden. Aufgeklärte und hochgebildete Politiker sorgten für wirtschaftlichen Aufschwung und förderten die Kultur.
Heute ist die Thüringer Staatskanzlei das Zentrum der Thüringer Landespolitik. In diesem Gebäude finden die Kabinettssitzungen der Landesregierung statt. Der Ministerpräsident hat hier seinen Amtssitz. Ministerpräsident Dieter Althaus hat mir ausdrücklich seine Glückwünsche und seine besten Grüsse für sie alle aufgetragen. Es war insbesondere seine Initiative, die maßgeblich dazu beigetragen hat, dass sie heute ausgezeichnet werden.
Die Vorschläge für Bundesverdienstkreuze und Verdienstmedaillen werden zunächst in der Thüringer Staatskanzlei gesammelt und bearbeitet. Wenn die Thüringer Staatskanzlei zu einem positiven Ergebnis kommt, unterbreitet der Ministerpräsident dem Bundespräsidenten einen entsprechenden Vorschlag.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
die ehemalige kurmainzische Stadthalterei ist eines der schönsten und repräsentativsten Gebäude der Landeshauptstadt Erfurt. Keine andere Staatskanzlei der Bundesrepublik Deutschland befindet sich in einem solch historischen Gebäude. Dieses Gebäude spiegelt auch die wechselvolle und facettenreiche über 1200-jährige Geschichte der Stadt Erfurt wider. Vom ehemaligen Patrizierhaus wurde es zur Residenz des kurmainzischen Stadthalters, vom preußischen Gouvernementsgebäude zum kaiserlichen Palast zur Zeit Napoleons.
Unzählige Male hat Johann Wolfgang von Goethe, oft als Begleiter seines Herzogs Karl August, Erfurt besucht und dabei immer im Weimarer Geleithaus gewohnt. Von dort aus schritt er am 2. Oktober 1808 zur Audienz bei Kaiser Napoleon, der hier in der Stadthalterei seine Residenz hatte.
Unter dem letzten Stadthalter, dem Freiherrn von Dalberg, fanden allwöchentlich die weithin bekannten Assambleen statt. „Man fand hier oft regierende Fürsten, Minister, Generäle, Staatsdiener aller Kategorien, Gelehrte, Künstler, Kaufleute und Handwerker bunt durcheinander gruppiert“ – so ein Gast über die abwechslungsreiche Gesellschaft.
Heute ist die Staatskanzlei nicht nur Schaltstelle der Thüringer Landespolitik, sondern ebenfalls Ort der Begegnung, des Dialogs und der Kultur.
Mit Veranstaltungen wie dem Erfurter Dialog, aber auch Ehrungen wie der heutigen Ordensverleihung führen wir diese Tradition fort.
Die alten Römer nannten den Staat „Res Publica“, die öffentliche Sache. Mit anderen Worten: Die Sache, die alle angeht. In diesem Sinne soll die Thüringer Staatskanzlei ein Ort der Begegnung und ein Ort der bürgerschaftlichen Gesinnung sein.
Wir befinden uns also an einem historischen Ort, der den geeigneten Rahmen für die Verleihung einer solch wichtigen Auszeichnung bildet.
Meine Damen und Herren, die beiden Personen, die wir heute ehren, geht es um soziale Gerechtigkeit und um Teilhabe an der Gesellschaft.
Frau Frisch und Herr Feige setzen sich seit vielen Jahren für ihre Mitmenschen ein.
Phil Bosmans, ein belgischer Priester und Schriftsteller, auch „der moderne Franziskus“ genannt, hat einmal gesagt: „Wer die Welt erwärmen will, muss ein großes Feuer in sich tragen.“
Diesen Satz halte ich für sehr bedenkenswert. Wir alle haben unsere beruflichen und persönlichen Pflichten. Aber wir wissen auch: Wenn jeder nur „Dienst nach Vorschrift“ leisten würde, dann würde unser Leben in vielen Bereichen nicht mehr oder nur noch sehr schlecht funktionieren.
Nur durch das Feuer der Leidenschaft für die eigene Tätigkeit und große Hilfsbereitschaft können die vielen ehrenamtlichen Helfer jeden Tag weit über das normale Maß hinaus für andere Menschen und deren Probleme da sein.
In Thüringen unternimmt auch die Landesregierung viel dafür, diese Bereitschaft zu stärken. Wir haben seit 2002 die Thüringer Ehrenamtsstiftung, wir zeichnen Bürger mit der Thüringer Rose für ehrenamtliche Sozialarbeit aus, wir fördern die vielen Vereine in unserem Freistatt – insbesondere den Sport – sehr großzügig und dies trotz sehr knapper Haushaltsmittel. Ich kann und möchte die vielfältigen Maßnahmen heute nicht alle aufzählen.
Ich möchte aber auf das wirklich Entscheidende zu sprechen kommen. Das Entscheidende ist, noch viel mehr Menschen davon zu überzeugen, sich ehrenamtlich zu engagieren und Verantwortung nicht nur für das eigene Leben und Schicksal zu übernehmen, sondern sich auch aktiv am öffentlichen Leben zu beteiligen. Der Wunsch nach Weiterentwicklung und vor allem Verbesserung muss aus der Gesellschaft selbst kommen, wenn wir keinen Stillstand wollen.
Und eins halte ich auch für Wesentlich: Anteilnahme und Begeisterung über die eigenen Bedürfnisse hinaus hat auch eine sehr persönliche Seite:
Jeder Mensch, der sich für etwas engagiert, für etwas kämpft und sein Feuer der Begeisterung weitergibt, lebt ein reicheres, weil sinnerfüllteres Leben, als jemand, der ein ausschließlich selbstbezogenes Leben führt.
Die Teilnahme am Leben anderer und deren Unterstützung erfüllt das eigene Leben mit Bedeutung und gibt den Menschen, die sich für eine Aufgabe einsetzen, eine Erfüllung, die man sich nirgendwo Kaufen kann. Ein echter persönlicher Gewinn!
Oder anderes gesagt: Ehrenamtliche Tätigkeiten sind keine Belastung. Es kann sehr großen Spaß machen, anderen Menschen zu helfen. Vor allem dann, wenn die freiwillige Hilfe erfolgreich ist.
Ich bin mir sicher, dass dies auch Frau Frisch und Herr Feige aus ihren eigenen Erfahrungen bestätigen können.
Meine Damen und Herren, traditionell werde ich nun die Ehrungen in alphabetischer Reihenfolge vornehmen und wende mich zunächst an Albrecht Feige aus Ingersleben.
„Die Starken für die Schwachen“ – Wer sich die Aktivitäten von Albrecht Feige ansieht, der gewinnt schnell den Eindruck: Dieser Mann lebt diesen Satz. Seit mehr als 10 Jahren ist er nun schon für die Rumänienhilfe aktiv tätig. Mit seinem Elan und seiner Zielstrebigkeit, seiner Kompetenz und seiner Erfahrung vermochte er dabei viel zu bewegen und zwar in vielen Bereichen.
Durch private Kontakte ist Albrecht Feige vor 11 Jahren auf die besondere Not und Hilfsbedürftigkeit der Menschen in Rumänien aufmerksam geworden. Seit diesem Erlebnis hat es sich Herr Feige zur Aufgabe gemacht, Menschen in Rumänien durch persönlichen Kontakt nachhaltige Unterstützung zu bieten.
Er unterstützt die Evangelische Kirchengemeinde in Timisoara, dem Ort Hunedoara und das kleine Karpatendorf Balanu.
Albrecht Feige ist es gelungen, durch Gespräche, Diavorträge und Infostände viele Menschen von seiner Arbeit zu überzeugen und den „Arbeitskreis Rumänien“ ins Leben zu rufen, der jährlich zwei Hilfstransporte organisiert. In Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden und der Grundschule Neudietendorf ist der Arbeitskreis auf etwa 20 Unterstützer angewachsen.
Katrin Göring-Eckardt, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und die neue EKD-Vorsitzende, ist eine der Förderinnen des Arbeitskreises.
Da Herr Feige bei den zehntägigen Hilfstransporten mit dabei ist, stellt er seit zehn Jahren fast seinen gesamten Jahresurlaub für die Fahrten zur Verfügung. In seiner Scheune lagert und sortiert er Hilfsgüter wie Fahrräder, Möbel, Spielzeug oder Kleidung. Außerdem hat er bereits vor Jahren in einem Volkshochschulkurs die rumänische Sprache erlernt, um mit den Menschen und Behörden vor Ort sprechen zu können.
Jeder, der Fremdsprachen kann, weiß wie schwierig und aufwändig es ist, eine slawische Sprache zu lernen.
Die Vorbereitung eines solchen Hilfstransportes erfordert einen enormen Aufwand – ja man kann sagen, dies ist „Herkulesarbeit“.
Albrecht Feige organisiert dies ehrenamtlich und mit großem Engagement.
Dies beginnt bei Recherchen und Informationen über die Hilfsbedürftigkeit in Rumänien. Denn Herr Feige möchte möglichst zielgenau dort helfen, wo die Hilfe am nötigsten gebraucht wird. Dazu organisiert er Sach- und Geldspenden bei Firmen, Institutionen und Privatpersonen. Er kümmert sich um die technischen Angelegenheiten des Transportes. Er sortiert, verpackt, beschriftet und verlädt alle Hilfsgüter.
Albrecht Feige liefert nicht nur Hilfsgüter nach Rumänien, sondern er kümmert sich auch vor Ort um die weiteren Bedürfnisse der Menschen und versucht, ihnen bestmöglich zu helfen. Er vermittelt Kontakte mit Bürgermeistern, Schulleitern und Pfarrern.
Dabei handelt er nach den christlichen Grundprinzipien der Solidarität und der Subsidiarität. Albrecht Feige versucht Hilfsbereitschaft zu wecken und Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.
Hin und wieder kommen auch Bürger aus Rumänien nach Thüringen, zum Beispiel um hier als Saisonkräfte bei der Ernte zu helfen. Aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung und seiner Sprachkenntnisse kann er auch diesen Menschen helfen, sich bei uns zurecht zu finden.
Mit allen genannten Aktivitäten opfert Albrecht Feige fast seine gesamte Freizeit sowie eigene Gelder um möglichst vielen Menschen in Rumänien helfen zu können.
Verehrter lieber Herr Feige, heute nun wird ihr großartiges Wirken auch besonders gewürdigt. Aufgrund ihres jahrelangen Engagements hat ihnen der Bundespräsident das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen – die höchste Auszeichnung, die unser Land zu vergeben hat.
Als Sozialministerin des Freistaats Thüringen danke ich ihnen sehr herzlich für ihren beispielhaften und vorbildlichen Einsatz.
Unsere Zeit, die das eigene „Ich“, die Sorge um den eigenen Wohlstand und die persönliche Selbsterfüllung zu wichtig nimmt, braucht Menschen wie SIE, lieber Herr Feige. Menschen, die nicht nur an sich selbst, sondern auch an andere denken. Menschen, die nicht nur das eigene Wohl, sondern auch insbesondere das des Nächsten vor Augen haben. Gerne übermittle ich ihnen die Glückwünsche unseres Ministerpräsidenten Dieter Althaus. Und auch ich gratuliere herzlich.
Sehr geehrte Damen und Herren, ich komme nun zu Marga Frisch aus Bischofferode.
Die Älteren unter ihnen können sich noch daran erinnern, dass dieser kleine Ort im Eichsfeld mit etwa 2000 Einwohnern in den Jahren 1992 und 1993 weltweit in den Medien war.
Die Gemeinde Bischofferode ist vor allem wegen eines Hungerstreiks der Bergarbeiter gegen die Schließung ihres Kalibergwerks überregional bekannt geworden.
Das Kaliwerk war von großer Bedeutung für Bischofferode und die anliegenden Dörfer und stellte Arbeitsplätze für über tausend Menschen zur Verfügung.
Da dieses Werk jedoch unwirtschaftlich arbeitete, wurde von der damaligen Treuhand in Berlin die Schließung verfügt.
Dies löste in dieser Region darüber hinaus massive Proteste, Emotionen, Reaktionen – vor allen Dingen aber einen erheblichen Strukturwandel aus.
Zwar konnte der Hungerstreik die Schließung des Bergwerkes 1993 nicht verhindern.
Trotzdem ist Bischofferode – trotz aller damaligen Befürchtungen – heute kein „Elendsviertel“.
Im Gegenteil – heute – 20 Jahre nach der friedlichen Revolution und 16 Jahre nach den Streiks hat sich Bischofferode zu einer blühenden Gemeinde entwickelt, die keinen Vergleich mit anderen Gemeinden in Thüringen oder in Mitteldeutschland zu scheuen braucht. Gut sortierte Lebensmittelgeschäfte, ein Supermarkt, Bankfilialen werden im Ortskern von sorgsam gepflasterten Wegen und üppigen Grünflächen gerahmt. Die meisten Häuser der Bewohner sind in den letzten Jahren frisch renoviert worden.
Wer heute durch Bischofferode geht, der kann die damaligen Ereignisse kaum noch nachvollziehen.
Sicher – es wurden gewaltige Summen in Millionenhöhe investiert. Es wurden vielfältige Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen finanziert. Auch die Thüringer Landesregierung hat damals eine Fülle von Maßnahmen unternommen, um diesen Strukturwandel für die Betroffenen so erträglich wie möglich zu gestalten.
Das dies in der Zwischenzeit zum größten Teil gelungen ist, lag jedoch nicht nur an staatlichen Strukturmaßnahmen, sondern insbesondere am Engagement vieler Menschen.
Sie haben nicht resigniert, sie haben nicht aufgegeben, sondern aus dieser schwierigen Situation neu angefangen und etwas Neues aufgebaut.
Dabei sollten wir nicht nur an die Kali-Kumpel denken, die inzwischen ihren wohlverdienten Ruhestand genießen, wir sollten insbesondere an die zahlreichen Frauen denken – oftmals mit kleinen Kindern – die ihren Arbeitsplatz verloren hatten und denen es sehr schwer gefallen ist, einen neuen Arbeitsplatz zu finden.
Eine Frau, die sich mit dieser Situation nie abgefunden hat und dabei auch anderen Frauen immer Hoffnung vermittelt hat, ist Marga Frisch aus Bischofferode.
Frau Frisch ist selbst Mutter von 3 Kindern und hat inzwischen 7 Enkelkinder.
Frau Frisch war die Mitinitiatorin bei der Gründung des Thüringer Landfrauenverbandes und ist bis heute im Landfrauenverein Bischofferode aktiv.
Ausgangspunkt ihres persönlichen Engagements war der gesellschaftliche Wandel nach 1989.
Mit der Schließung der Baumwollspinnerei verlor sie selbst ihren eigenen Arbeitsplatz. Ihr erging es damals wie vielen Menschen in der Region, insbesondere Frauen. Aber sie waren nicht bereit, aufzugeben!
Durch Kontakte mit den Landfrauen in Niedersachsen und Hessen sah Frau Frisch die Möglichkeit durch die Gründung des Landfrauenvereins Bischofferode eine würdevolle Weiterbeschäftigung für die arbeitslosen Frauen zu erreichen.
Die besonderen Problemgruppen konnten durch verschiedene Angebote wieder am gesellschaftlichen Leben beteiligt werden.
Damals wie heute ging es also um „Teilhabe“.
Gerade eine Erwerbsarbeit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Teilhabe in allen Lebensbereichen.
Unter der maßgeblichen Leitung von Frau Frisch wurde ein Aktions- und Kommunikationszentrum aufgebaut. Ziel war es auch, „Hilfe zur Selbsthilfe“ durch vielfältigste Beratungsangebote anzubieten. Hier liegt eine Gemeinsamkeit zwischen Herrn Albrecht Feige, den wir eben gewürdigt haben und Frau Marga Frisch. Beide haben sich für das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe „stark“ gemacht und dieses in die Praxis umgesetzt. Ein Sprichwort lautet: „Man soll notleidenden Menschen keine Fische zum Essen schenken, sondern eine Angel!“
Nach diesem Prinzip haben beide heute Geehrten gehandelt.
Nach den üblichen Anfangsschwierigkeiten hat es Marga Frisch 1994 geschafft, dass vom Arbeitsamt 10 ABM-Stellen für das Projekt „Altes Pfarrhaus“ genehmigt wurden. Dieses Projekt, das damals auch vom Sozialministerium gefördert wurde, besteht seit 1994 bis zum heutigen Tage.
In den ersten drei Jahren des Projektes konnte Frau Frisch selbst noch als ABM entlohnt werden. All die anderen Jahre danach hat sie die Arbeiten ehrenamtlich ausgeführt.
Seit dem Bestehen des Projektes sind die unterschiedlichsten Gruppen und Veranstaltungen entstanden. So werden im Alten Pfarrhaus Rentnerfrühstücke, Skat- und Rommeegruppen, Kleinkindgruppen, Sportgruppen und – dies freut mich als Präsidentin der Thüringer Wander- und Gebirgsvereine natürlich besonders – auch Wanderungen organisiert.
Unter der Regie von Frau Frisch entstanden eine Volkstanzgruppe, eine Nähstube und eine Werkstatt zur Aufbereitung von Spielzeug, dass an soziale Einrichtungen abgegeben wird. Frau Frisch wirkte darüber hinaus bei der Mitgestaltung von vielfältigen Aktivitäten mit, wie zum Beispiel bei der Gestaltung von Heimatfesten und der Gestaltung des Eichsfelder Bauernmarktes.
Liebe Frau Frisch,
Erich Kästner stellte einmal sehr treffend fest: „ Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ Damit hat er genau die Haltung umschrieben, die SIE auszeichnet. Dafür, dass sie einfach nur Gutes getan haben und weiterhin Gutes tun werden, dafür danke ich ihnen sehr herzlich und freue mich sehr, ihnen heute die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreichen zu dürfen.
Gerne übermittle ich auch ihnen die herzlichsten Glückwünsche unseres Ministerpräsidenten. Und auch ich gratuliere ihnen sehr herzlich.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
wenn wir heute verdiente Menschen in unserer Mitte haben, die sich wie Frau Frisch und Herr Feige in herausragender Weise für das Gemeinwohl engagieren, dann ist dies wahrlich ein Grund zum Feiern. Denn davon profitiert unsere Gesellschaft, davon profitieren wir alle.
Solche Vorbilder wie Frau Frisch und Herr Feige zeigen, dass es nicht darauf ankommt, seine eigenen Interessen durchzusetzen und das die Welt einfach schöner wird, wenn wir unsere Fähigkeiten auch für andere einsetzen.
Ich gratuliere ihnen beiden noch mal sehr herzlich und wünsche ihnen und ihren Gästen einen schönen Tag, an den sie sich noch lange gerne erinnern mögen.
Vielen herzlichen Dank für ihre Aufmerksamkeit! Ich möchte ihnen nun die Ordensinsignien überreichen!