Freistaat Thüringen Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit

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Überreichung des Verdienstkreuzes

Überreichung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Gabriele Wilhelm und Dr. Reinhard Friedel sowie der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschlands an Rita Stichling und Annerose Hildebrandt

Sehr geehrte Frau Wilhelm,
sehr geehrter Herr Dr. Friedel,
sehr geehrte Frau Stichling,
sehr geehrte Frau Hildebrandt,
liebe Gäste,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

herzlich willkommen in der Thüringer Staatskanzlei!

An meiner – doch etwas – umfangreichen Begrüßung können Sie schon erkennen, dass ich heute die Ehre habe, gleich vier Personen das Bundesverdienstkreuz bzw. die Bundesverdienstmedaille des Bundespräsidenten überreichen zu dürfen.

In meiner Amtszeit als Thüringer Sozialministerin ist es heute bereits das dritte Mal, dass ich Bürgern, die sich insbesondere im sozialen Bereich engagiert haben, die höchsten Orden aushändigen darf, die die Bundesrepublik Deutschland zu vergeben hat.

Der Orden wurde am 7. September 1951 vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss per Stiftungserlass gestiftet.

Im Erlass heißt es: „Er (der Orden) wird verliehen für Leistungen, die im Bereich der politischen, der wirtschaftlich-sozialen und der geistigen Arbeit dem Wiederaufbau des Vaterlandes dienten, und soll eine Auszeichnung all derer bedeuten, deren Wirken zum friedlichen Aufstieg der Bundesrepublik Deutschland beiträgt.“

Das Bundesverdienstkreuz ist der einzige Orden, den der Bundespräsident verleiht und zugleich die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik Deutschland für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht.

Jedes Jahr werden auf Vorschlag etwa 3.000 bis 4.000 Menschen ausgezeichnet. Das hört sich zunächst einmal viel an. Aber wenn wir überlegen, dass diese Zahl nur etwa 0,004% der Deutschen Bevölkerung entspricht, so können wir ermessen, welche besondere Auszeichnung unsere vier Ehrengäste heute erhalten.

Natürlich ist es für eine Sozialministerin ein gutes Gefühl, Bürger zu ehren, die sich aktiv für ihre Mitmenschen einsetzen.

Die Personen, die wir heute ehren, sind also Vorbilder für die gesamte Gesellschaft.

Wir nehmen die Auszeichnung traditionell in der Staatskanzlei vor – die als ehemalige kurmainzische Statthalterei dafür einen angemessenen Rahmen bietet.

Lange Zeit wurde in diesem Haus über die Geschicke der Stadt Erfurt entschieden. Aufgeklärte und hoch gebildete Politiker sorgten für wirtschaftlichen Aufschwung und förderten die Kultur.

Heute ist die Thüringer Staatskanzlei das Zentrum der Thüringer Landespolitik. In diesem Gebäude finden die Kabinettssitzungen der Landesregierung statt. Auch der Thüringer Ministerpräsident Dieter Althaus hat hier seinen Amtssitz.

Herr Althaus hat mir ausdrücklich seine Glückwünsche und seine besten Grüße für Sie alle aufgetragen. Diesem Wunsch komme ich gerne nach.
Es war die Initiative unseres Ministerpräsidenten, die maßgeblich dazu beigetragen hat, dass Sie heute ausgezeichnet werden.

Die Vorschläge für Bundesverdienstkreuze werden zunächst in der Thüringer Staatskanzlei gesammelt und bearbeitet. Wenn die Thüringer Staatskanzlei zu einem positiven Ergebnis kommt, unterbreitet der Ministerpräsident dem Bundespräsidenten den entsprechenden Vorschlag.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

die ehemalige kurmainzische Statthalterei ist eines der schönsten und repräsentativsten Gebäude in der Landeshauptstadt Erfurt. Keine andere Staatskanzlei in der Bundesrepublik Deutschland befindet sich in einem solch schönen historischen Gebäude. Dieses Gebäude spiegelt auch die wechselvolle und facettenreiche über 1.200-jährige Geschichte der Stadt Erfurt wider.

Vom ehemaligen Patrizierhaus wurde es zur Residenz des kurmainzischen Statthalters, vom preußischen Gouvernementsgebäude zum kaiserlichen Palast zur Zeit Napoleons.

Unzählige Male hat Johann Wolfgang von Goethe, oft als Begleiter seines Herzogs Carl August, Erfurt besucht und dabei immer im Weimarer Geleithaus gewohnt. Von dort aus schritt er am 2. Oktober 1808 zur Audienz bei Kaiser Napoleon, der in der Statthalterei seine Residenz hatte.

Unter dem letzten Statthalter, dem Freiherrn von Dalberg fanden allwöchentlich die weithin bekannten Assembleen statt. "Man fand hier oft regierende Fürsten, Minister, Generäle, Staatsdiener aller Kategorien, Gelehrte, Künstler, Kaufleute und Handwerker bunt durcheinander gruppiert" – so ein Gast über die abwechslungsreiche Gesellschaft.

Heute ist die Staatskanzlei nicht nur Schaltstelle der Thüringer Landespolitik, sondern ebenfalls Ort der Begegnung, des Dialogs und der Kultur.

Mit Veranstaltungen wie dem Erfurter Dialog, aber auch mit Ehrungen wie der heutigen Ordensverleihung führen wir diese Tradition fort.

Die alten Römer nannten den Staat "res publica", die öffentliche Sache. In anderen Worten: Die Sache, die alle angeht. In diesem Sinne soll die Thüringer Staatskanzlei ein Ort der Begegnung und ein Ort bürgerschaftlicher Gesinnung sein.

Wir befinden uns also an einem historischen Ort, der den geeigneten Rahmen für die Verleihung einer so wichtigen Auszeichnung bildet.

Meine Damen und Herren,

die vier Personen, die wir heute ehren, geht es um Chancengleichheit, medizinische Perfektion sowie um Teilhabe an der Gesellschaft.

Alle heute Geehrten setzen sich seit vielen Jahren für ihre Mitmenschen ein.

Phil Bosmans, ein belgischer Ordenspriester und Schriftsteller, auch „der moderne Franziskus“ genannt, hat einmal gesagt: „Wer die Welt erwärmen will, muss ein großes Feuer in sich tragen.“

Diesen Satz halte ich für sehr bedenkenswert.
Wir alle haben unsere beruflichen und persönlichen Pflichten. In Unternehmen, Institutionen oder auch in den Behörden gibt es Stellenbeschreibungen und Arbeitsvorschriften. Aber wir wissen auch: Wenn jeder nur "Dienst nach Vorschrift" leisten würde, dann würde unser Leben in vielen Bereichen nicht mehr funktionieren bzw. nicht hinreichend funktionieren.

Nur durch das Feuer der Leidenschaft für die eigene Tätigkeit und großer Hilfsbereitschaft können die vielen ehrenamtlichen Helfer jeden Tag weit über das normale Maß hinaus für andere Menschen und deren Probleme da sein.

In Thüringen unternimmt auch die Landesregierung viel dafür, diese Bereitschaft zu stärken. Wir haben seit 2002 die Thüringer Ehrenamtsstiftung, wir zeichnen Bürger mit der Thüringer Rose für ehrenamtliche Sozialarbeit aus, wir fördern die vielen Vereine in unserem Freistaat – insbesondere den Sport – sehr großzügig. Und dies trotz sehr knapper Haushaltsmittel. Ich kann und möchte die vielfältigen Maßnahmen heute nicht alle aufzählen.

Ich möchte aber auf das wirklich Entscheidende zu sprechen kommen. Das Entscheidende ist, noch viel mehr Menschen davon zu überzeugen , sich ehrenamtlich zu engagieren und Verantwortung nicht nur für das eigene Leben und Schicksal zu übernehmen, sondern sich auch aktiv am öffentlichen Leben zu beteiligen. Der Wunsch nach Weiterentwicklung und vor allem Verbesserung muss aus der Gesellschaft selbst kommen, wenn wir keinen Stillstand wollen.

Und eins halte ich auch für wesentlich: Anteilnahme und Begeisterung über die eigenen Bedürfnisse hinaus hat auch eine sehr persönliche Seite:

Jeder Mensch, der sich für etwas engagiert, für etwas kämpft und sein Feuer der Begeisterung weitergibt, lebt ein reicheres, weil sinnerfüllteres Leben, als jemand, der ein ausschließlich selbstbezogenes Leben führt.

Die Teilnahme am Leben anderer und deren Unterstützung erfüllt das eigene Leben mit Bedeutung und gibt den Menschen, die sich für eine Aufgabe einsetzen, eine Erfüllung, die man sich nirgendwo kaufen kann. Ein echter persönlicher Gewinn!

Oder anders gesagt: Ehrenamtliche Tätigkeiten sind keine Belastung. Es kann sehr großen Spaß machen, anderen Menschen zu helfen. Vor allem dann, wenn die freiwillige Hilfe erfolgreich ist.

Ich bin mir sicher, dass dies auch Frau Wilhelm, Herr Dr. Friedel, Frau Stichling und Frau Hildebrandt aus ihrer eigenen Erfahrung bestätigen können.

Wahrscheinlich haben sie nie daran gedacht, einmal einen Orden für ihr – für sie so selbstverständliches – Engagement zu bekommen. Deshalb hoffe ich, dass dieser Tag für sie unvergesslich schön ist.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

das Bundesverdienstkreuzes ist eine Auszeichnung für Menschen, die sich weit über das übliche Maß hinaus um das Lebensglück anderer bemühen. Es ist für Personen bestimmt, die nicht nur ihren beruflichen Verpflichtungen auf vorbildliche Weise nachgekommen sind, sondern die darüber hinaus mit ihrem inneren Feuer etwas geschaffen haben, was es ohne ihre Initiative oder ohne ihren Einsatz so nicht gäbe.

Was diese allgemeine Formulierung konkret bedeutet, wird sichtbar, wenn ich die Gründe für die Ordensverleihung nenne.

Das Lebenswerk von Gabriele Wilhelm aus Neuhaus am Rennweg ist ein außergewöhnliches Beispiel von selbstlosem und aufopferungsvollem Engagement.

Der berühmte libanesische Dichter Khalil Gibran hat einmal gesagt: „Bist du ein Mensch, der danach fragt, was dein Land für dich tun kann oder ein begeisterter, der fragt, was du für dein Land tun kannst? Wenn du ersterer bist, dann bist du ein Parasit; bist du der zweite, dann bist du eine Oase in der Wüste.“

Das erinnert an John F. Kennedy, der Jahre später sagte:

„Frage nicht, was dein Land für dich tun kann. Frage, was du für dein Land tun kannst.“

Frau Wilhelm fragt sich stets, was sie für ihre Stadt tun kann.

Frau Wilhelm ist seit der Gründung der Lebenshilfe e.V. Neuhaus im Jahr 1990 als Vorsitzende des Vereins aktiv. Sie hat selbst eine geistig behinderte Tochter, die sie liebevoll pflegt.

Nur ihrem persönlichen Engagement ist es zu verdanken, dass die Lebenshilfe die Trägerschaft für die Behindertenwerkstatt in Neuhaus bekam. Auch der Kauf und Umbau von zwei Gebäuden kam nur durch ihr Zutun zustande.

Trotz dieser täglichen Herausforderung gelang es durch ihren engagierten Einsatz in Neuhaus ein Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung sowie ein weiteres für schwerst mehrfach behinderte Menschen aufzubauen.


Sie, liebe Frau Wilhelm, stehen als Beispiel für Menschen, die nicht klagen sondern mit beeindruckender Hingabe ihr tägliches Leben meistern und mit ihrem inneren Feuer andere Menschen mitreißen.

Durch ihren unermüdlichen Einsatz gelingt es seit Jahren, die Wohn-, Arbeits- und Lebensbedingungen von behinderten und kranken Menschen nachhaltig zu verbessern.

Gemeinsam mit der Geschäftsführung der Rennsteig-Werkstätten trieb Frau Wilhelm zudem den Bau einer Behindertenwerkstatt voran, die heute für 190 Menschen nicht nur Arbeitsplatz, sondern Ort der Begegnung geworden ist.

Die Ehrung von Frau Wilhelm hat daher auch Signalcharakter für alle anderen Menschen in Thüringen.

Und vielleicht motiviert die heutige Auszeichnung auch andere, noch stärker zu helfen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich komme zu Dr. Horst Reinhard Friedel aus Jena.

Herr Dr. Friedel war mehr als 25 Jahre als Handchirurg tätig. Zunächst unter seiner Mitarbeit und ab 1991 unter seiner Leitung wurde der Arbeitsbereich Hand- und Replantationschirurgie an der damaligen Jenaer Klinik für Chirurgie auf- und ausgebaut.

Herr Dr. Friedel wird heute für sein besonders herausragendes überdurchschnittliches Engagement in der Unfallchirurgie und für sein gesamtes Lebenswerk geehrt.

Er hat unter anfänglich schwierigen Bedingungen mit großem und weit über das übliche Maß hinaus gehendem persönlichem Einsatz und bewundernswerter Energie zielstrebig einen leistungsstarken, auf den Gebieten der Krankenversorgung und Forschung anerkannten Bereich entwickelt.

Verehrter Herr Dr. Friedel,
die Schilderung Ihres Engagements macht bereits deutlich, wie herausragend Ihre Verdienste zu bewerten sind. Ihr langfristiges und erfolgreiches Engagement möchte ich beispielhaft nennen - gerade in einer Zeit, in der viele vor langfristigen Bindungen, auch im Bereich der ehrenamtlichen Tätigkeit, zurückschrecken.

Umso höher ist Ihr aktiver Einsatz zu bewerten, dem es zu verdanken ist, dass in Jena ein Replantationszentrum entstanden ist, das aktuell Patienten weit über die Landesgrenzen hinaus versorgt.

Seit 1996 leitet Herr Dr. Friedel zusätzlich Workshops in Jena, die teilnehmenden Ärzten ermöglichen, sich an Handpräparaten professionell weiterzubilden. Auch er gibt sein inneres Feuer gern an andere weiter. Dank seines hervorragenden Rufes sind diese Veranstaltungen jedes Mal weit im Voraus ausgebucht.

In den letzten Jahren konnten zudem einige Verfahren unter der Mitarbeit von Dr. Friedel entwickelt werden, die sich bei der Behandlung schwieriger Knochenbrüche bewährt haben und später auch patentiert wurden. Heute werden diese Verfahren deutschlandweit angewendet.

Doch Dr. Friedel ist nicht nur ein anerkannter und angesehener Facharzt. Er engagiert sich zusätzlich in unterschiedlicher Gremienarbeit. So zum Beispiel als Beiratsmitglied der Sektion Handchirurgie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, als ordentliches Mitglied der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft Handchirurgie und in der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie.

Ich hatte zu Beginn meiner Rede gesagt: "Ehrenamt macht Spaß".

Natürlich bin ich mir darüber im Klaren – Ehrenamt ist mit viel Mühe, Arbeit und Aufwand verbunden – dies weiß jeder von Ihnen – aber es macht auch großen Spaß, wenn man erfolgreich ist.

Herr Dr. Friedel ist ein Musterbeispiel dafür.

In jährlich durchschnittlich 900 aufwändigen Operationen ermöglicht er Menschen wieder ein normales Leben, mitunter sogar die Rückkehr in den beruflichen Alltag. Mit seinen Forschungsarbeiten und seiner Tätigkeit als Facharzt trägt er in hohem Maße zur internationalen Profilierung des Hochschul- und Forschungsstandortes sowie des Universitätsklinikums Jena bei.

Von den Mitarbeitern und Kollegen, aber vor allem von den Patienten wird er nicht nur auf Grund seiner Kompetenzen, sondern vor allem wegen seiner ruhigen, sachlichen und offenen Art geschätzt. Kollegialität, Offenheit und Kritikfähigkeit haben für Dr. Friedel oberste Priorität.

Nicht selten bauen die Patienten ein lebenslanges Vertrauensverhältnis zu „ihrem Dr. Friedel“ auf. Eindrucksvoll beweist er, dass es heute nicht mehr reicht, Hände operieren zu können, um ein guter Handchirurg zu sein. Das Berufsbild eines Arztes ist eng mit einem seelsorgerischen Aspekt verbunden.

Uneigennützigkeit und Bescheidenheit sind heute keine Selbstverständlichkeiten. Herr. Dr. Friedel lebt sie als Lebensphilosophie.

Ich meine, wir alle sollten wieder mehr Bescheidenheit lernen. Wir alle sollten darüber nachdenken, wieder mehr auf eigene Vorteile zu Gunsten anderer Menschen zu verzichten. Dr. Friedel ist ein gutes Beispiel dafür.

Die Menschen in Jena – und weit darüber hinaus – haben ihm viel zu verdanken!

Ich komme zu Rita Angelika Stichling aus Wechmar.

Frau Stichling erhält heute die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Frau Stichling setzt sich schon seit 18 Jahren für Selbsthilfegruppen ein und ist trotz ihrer Pflichten als Ehe- und Hausfrau, Mutter und Großmutter in ihrer Freizeit fast in „Vollzeit“ für das Ehrenamt unterwegs.

Es gibt einen Spruch von Albert Schweitzer, dem berühmten Urwald-Arzt, Theologen und Komponisten. Ich halte Albert Schweitzer für eine der größten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte überhaupt. Er hat einmal gesagt: „Es hat keinen Sinn, über die Dunkelheit zu schimpfen, wenn man nicht selbst versucht, ein Licht anzuzünden!“

Ich glaube, Albert Schweitzer würde sich sehr darüber freuen, wenn er die Aktivitäten von Frau Stichling heute sehen könnte.

Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Osteoporose-Betroffenen zu helfen und über die Arbeit in Selbsthilfegruppen neue Wege zur Bewältigung der mit der Erkrankung verbundenen Probleme zu finden. Während es hervorragende Krankenhäuser, Ärzte und andere Behandlungsmöglichkeiten gibt, kommt die ganzheitliche Betreuung der Patienten oftmals zu kurz.

Selbst von der Krankheit betroffen, gründete Frau Stichling 1990 die Selbsthilfegruppe in Wechmar, deren 1. Vorsitzende sie heute noch ist.

Außerdem ist sie seit der Gründung des Landesselbsthilfeverbandes Thüringen für Osteoporose e.V. 1994 1. Vorsitzende und leitet somit ehrenamtlich 123 Selbsthilfegruppen mit mehr als 4.000 Mitgliedern.

Doch damit nicht genug. Bei der Gründung der Landesverbände Berlin/Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen hat sie entscheidende Impulse gesetzt und die Verbände in den Gründungsjahren sachlich und fachlich unterstützt. Zudem wirkt Frau Stichling seit 1999 engagiert im Vorstand des Kuratoriums Knochengesundheit Deutschland e.V. mit.

Mit außergewöhnlichem Einsatz beteiligt sie sich seit 2005 als Vertreterin des Osteoporose Dachverbandes e.V. in der Mitgliederversammlung des Dachverbandes Deutschsprachiger Osteoporose Selbsthilfeverbände Patientenorientierter Osteoporoseorganisationen e.V. mit Mitgliederorganisationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auch hier macht sie sich für die Belange der Osteoporosekranken stark – einer Krankheit, die nach wie vor unterschätzt wird.

Ihre größte Aufmerksamkeit gilt dabei der Qualitätssicherung der Übungsleiter und Physiotherapeuten, die die Selbsthilfegruppen in der Bewegungstherapie betreuen. Aufgrund ihrer großen Sachkenntnis weiß sie, dass nicht nur eine Behandlung bereits erkrankter Personen wichtig ist. Präventive Maßnahmen sind deshalb ein ebenso wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit, wie Informationsveranstaltungen, Fachvorträge von Ärzten und Aufklärungsarbeit.

An diesem Beispiel kann man gut nachvollziehen, was aus einer Idee und was aus Hilfsbereitschaft werden kann.

Aus bescheidenen Anfängen – sozusagen aus der persönlichen Not geboren – hat sich ein umfassendes Hilfsangebot entwickelt, das sich Schritt für Schritt etabliert hat und nicht mehr wegzudenken ist.

Heute wird Frau Stichling für ihr Lebenswerk geehrt.

Frau Stichling ist ein Musterbeispiel für bürgerschaftliches Engagement. Sie hat für ihre Ideen und durch ihr Handeln Impulse gegeben. Sie hat Hilfsbereitschaft angestoßen und selber vorgelebt.

Dafür erhält sie heute die Verdienstmedaille.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Annerose Hildebrandt aus Fambach leitet seit über zehn Jahren mit überaus großem Engagement ehrenamtlich die Selbsthilfegruppe Diabetiker Schmalkalden im Deutschen Diabetiker Bund Landesverband Thüringen e.V. mit etwa 80 Mitgliedern.


Jeden Monat übermittelt sie den Teilnehmern in einem Gruppentreffen aktuelles Wissen über die Krankheit Diabetes mellitus und moderne Therapieformen. Und das natürlich ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Der rege Austausch ist für viele Betroffene ein wichtiger Baustein zur Erhaltung der Lebensqualität und fördert zudem die Motivation zur Krankheitsbewältigung.

Um die Teilnehmer immer auf den neuesten Stand zu halten und für die aktive Gestaltung des Gruppenlebens opfert Frau Hildebrandt viele Stunden ihrer Zeit und stellt dabei ihre eigenen gesundheitlichen und familiären Probleme stets in den Hintergrund.

Liebe Frau Hildebrandt, Ihr Engagement ist außergewöhnlich. Sie sind ein Vorbild für alle. Diese zeitlich sehr intensiven ehrenamtlichen Tätigkeiten waren Ihnen genau gesagt immer noch nicht genug. Sie kümmern sich zusätzlich sehr liebevoll um akut Erkrankte, gratulieren zu Geburtstagen, Jubiläen und anderen Anlässen persönlich und haben immer ein offenes Ohr für Probleme.

In der Öffentlichkeit sorgen Sie für mehr Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber Menschen mit Diabetes. Sie veröffentlichen kleine Artikel und halten engen Kontakt zu den regionalen Medien.

Sie haben immer sehr weitsichtig und verantwortungsvoll gehandelt.

Ich kann persönlich gut nachvollziehen, welche Mühe und Arbeit mit diesen Ehrenämtern verbunden ist.

Jeder der in Thüringen ehrenamtlich tätig ist, verdient unsere Bewunderung. Jeder Helfer hat einen enormen Zeitaufwand. Er muss schwierige Dinge durchsetzen.

Dies ist Ihnen, sehr geehrte Frau Hildebrandt mit viel Sachkenntnis und Tatkraft gelungen. Die Lösung sozialer Belange ist keine leichte Aufgabe. Man braucht praktisch einen "langen Atem" und viel Geduld und Erfahrung, um erfolgreich zu sein.

Auch Sie erhalten heute die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

alle heute genannten Personen haben sich um das Gemeinwohl in Thüringen außerordentlich verdient gemacht – in unterschiedlichen Bereichen – aber umso bereichernder für uns alle!

Wenn wir verdiente Menschen in unserer Mitte haben, die sich wie Frau Wilhelm, Herr Dr. Friedel, Frau Stichling und Frau Hildebrandt in herausragender Weise für das Gemeinwohl engagieren, dann ist das natürlich ein Grund, stolz auf uns Thüringer zu sein.

Bitte lassen Sie mit Ihren Aktivitäten nicht nach! Bitte gehen Sie den von Ihnen beschrittenen Weg weiter! Und: Nehmen Sie auch andere Menschen auf diesem Weg mit.

Oder mit anderen Worten: Bleiben Sie so, wie Sie sind!

Meine Damen und Herren,

ich möchte den geehrten Persönlichkeiten nun die Ordensinsignien überreichen.

Bereits jetzt bedanke ich mich bei der Musikschule Erfurt, die wir gleich zum Abschluss noch einmal hören werden. Und ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.