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3. Preisverleihung des Preises „Der Friedenstein“

3. Preisverleihung des Preises „Der Friedenstein“

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Kreuch,
sehr geehrter Herr Dr. Görg (Vorstandsvorsitzender Gothaer Kulturstiftung)
sehr geehrter Herr Dr. Eberle (Direktor Stiftung Schloss Friedenstein)
sehr geehrter Herr Jähn (erster Deutscher im Weltall)

insbesondere:
sehr geehrte Frau Dr.Tereschkowa (diesjährige Preisträgerin)
sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, bei der heutigen Preisverleihung dabei sein und meine Worte an Sie richten zu können.

Ich überbringe Ihnen die Grüße und Glückwünsche der Thüringer Landesregierung. Insbesondere hat mir Ministerpräsident Dieter Althaus seine Grüße aufgetragen.

Er bedauert es sehr, dass er heute nicht selbst bei Ihnen sein kann. Der Ministerpräsident befindet sich zurzeit zu Wirtschaftsgesprächen in Japan.

Meine Damen und Herren,
es gibt kaum einen geeigneteren Ort für eine solche Preisverleihung wie Schloss Friedenstein.

Schloss Friedenstein ist die größte frühbarocke Schlossanlage in Deutschland. Und dies ist nicht der einzige Superlativ, mit dem Schloss Friedenstein aufwarten kann.

Hier befindet sich der erste Englische Garten außerhalb Großbritanniens, die größte Hudon-Sammlung außerhalb Frankreichs, die größte kultur- und naturgeschichtliche Sammlung Thüringens und – dies möchte ich ganz besonders würdigen – das am besten erhaltene Theater des 17. Jahrhunderts, das noch dazu das erste stehende (mit festem Ensemble) deutsche Hoftheater.

Einmalig ist vor allem, dass die hiesigen Einrichtungen und ihre Bestände sich seit Jahrhunderten am gleichen Ort befinden. Sie sind hier quasi organisch gewachsen.

Schloss Friedenstein ist also ein einzigartiger Ort und der Preis, der „Friedenstein“ ist ein ganz besonderer Preis.

Er wird alle zwei Jahre für herausragende Verdienste um Kunst/Kultur oder um Wissenschaft/Forschung vergeben.

Hier auf Schloss Friedenstein vereinigen sich diese Aspekte.
In diesem Jahr wird erstmals eine Frau mit diesem Preis ausgezeichnet.

1798 – also genau vor 210 Jahren – fand der erste astronomische Kongress in Gotha statt. Genau 210 Jahre später wird die erste Frau im Weltall mit einem Preis geehrt.

Nur zwei Jahre nach dem ersten Weltraumflug von Juri Gagarin flog mit Valentina Tereschkowa 1963 die erste Frau in den Weltraum (Erst 20 Jahre später schickten die USA eine Frau ins All: Damals kannte noch niemand den Begriff „Gender Mainstreaming“).

Heute sind in nahezu allen beruflichen und gesellschaftlichen Bereichen Frauen aktiv.

Auch wir in Thüringen haben gute Erfahrungen mit Frauen in Führungspositionen. Dabei denke ich z. B. an meine Chefin, Gesundheitsministerin Christine Lieberknecht, an Landtagspräsidentin Prof. Dagmar Schipanski und viele andere mehr. Gerade auch im Bereich der Wissenschaft und Forschung spielen Frauen eine wichtige Rolle.

1963 war dies noch keine Selbstverständlichkeit.

Nach einem harten Trainingsprogramm flog Valentina Tereschkowa 1963 zu ihrem ersten und einzigen Flug in den Weltraum. Damals 26 Jahre alt umkreiste sie die Erde 46 mal und landete nach 70 Stunden und 50 Minuten.

Dies ist auch deshalb eine beeindruckende Leistung, weil die Wissenschaft vor über 40 Jahren noch nicht die Erkenntnisse hatte, wie sie uns heute zur Verfügung stehen. Frau Tereschkowa hat sozusagen Pionierarbeit geleistet. Ein Start in den Weltraum war damals ein Start mit vielen Ungewissheiten. Niemand wusste genau, was genau bevorsteht.

Vergleichbar ist dies vielleicht mit den Pionieren der Seefahrt – z. B. Christoph Columbus oder mit anderen Entdeckern, die sich auf wissenschaftliches Neuland begeben haben.

Nach ihrem Weltraumflug wurde Valentina Tereschkowa als Heldin bejubelt und mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. Es gibt sogar Briefmarken mit ihrem Portrait.

Erst 20 Jahre später – 1983 – flog mit der Physikerin Sally Ride die erste NASA-Astronautin in eine Erdumlaufbahn.


Meine sehr geehrten Damen und Herren,

die Raumfahrt hat sich in den letzten Jahren weiter entwickelt. Doch sie hat von ihrer Faszination nichts verloren.

Wir haben den mutigen Frauen und Männern, die daran beteiligt waren, sehr viel zu verdanken. Dies gilt für Juri Gagarin, Neal Amstrong, Sigmund Jähn und selbstverständlich ganz besonders auch für Valentina Tereschkowa. Ich erinnere auch daran, dass einige Astronauten und Kosmonauten diesen Dienst mit dem Leben bezahlt haben. Auch an diese Menschen sollten wir heute denken.

Viele Errungenschaften unserer heutigen Zeit wäre ohne die Raumfahrt und ohne die Wissenschaft undenkbar. Dabei denke ich z. B. an die Satellitentechnik.
Oder können Sie sich heute noch eine Welt ohne Handys und ohne Internet vorstellen?

 

Ohne Persönlichkeiten wie Valentina Tereschkowa wäre es zu dieser Entwicklung nie gekommen.

Gestatten Sie mir ein Zitat des amerikanischen Astronauten Donald Williams. Er sagte:

„Für die diejenigen, die die Erde aus dem Weltraum gesehen haben, verändert das Erlebnis wahrscheinlich ihre Weltsicht. Die Dinge, die wir auf der Erde miteinander teilen, werden viel wertvoller, als jene die uns trennen!“

Der „Friedenstein“, der heute verliehen wird, ist damit auch eine Auszeichnung der Solidarität und der Zivilcourage.

Im Namen der Thüringer Landesregierung gratuliere ich Valentina Tereschkowa sehr herzlich. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute, Glück und Gesundheit für die Zukunft!