Freistaat Thüringen Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit

Inhalt

Übergabe Bundesverdienstkreuz am Bande und Verdienstmedaille

Rede
der Thüringer Ministerin für Soziales, Familie und Gesundheit
Christine Lieberknecht

anlässlich der Überreichung der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschlands an Monika Kunhilda Schmidt und Bertha Frieda Erika Paulusch sowie des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Karl Georg Lothar Werkmeister und
Dr. Jochen Wulf Tscharnke

Sehr geehrte Frau Schmidt,
sehr geehrte Frau Paulusch,
sehr geehrter Herr Dr. Tscharnke,
sehr geehrter Herr Werkmeister,
liebe Gäste,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

herzlich willkommen in der Thüringer Staatskanzlei!

Wie Sie an meiner – doch etwas – umfänglichen Begrüßung erkennen können, habe ich heute die Ehre, gleich vier Personen das Bundesverdienstkreuz bzw. die Bundesverdienstmedaille des Bundespräsidenten überreichen zu dürfen.

Im Rahmen meiner kurzen Amtszeit als Thüringer Sozialministerin ist es das erste Mal, dass ich Bürger, die sich insbesondere im sozialen Bereich engagiert haben, die höchsten Orden aushändigen darf, die die Bundesrepublik Deutschland zu vergeben hat.

Natürlich ist es für eine Sozialministerin ein gutes Gefühl, Bürger zu ehren, die sich aktiv für ihre Mitmenschen einsetzen.

Die Personen, die wir heute ehren, sind also Vorbilder für die gesamte Gesellschaft.

Wir nehmen diese Auszeichnung traditionell in der Staatskanzlei vor – die als ehemalige kurmainzische Statthalterei dafür einen angemessenen Rahmen bietet.

Die Thüringer Staatskanzlei ist das Zentrum der Thüringer Landespolitik. Hier in diesem Gebäude finden die Kabinettssitzungen der Landesregierung statt. Hier hat auch der Thüringer Ministerpräsident Dieter Althaus seinen Amtssitz.

Ministerpräsident Dieter Althaus hat mir ausdrücklich seine Glückwünsche und seine besten Grüße für Sie alle aufgetragen. Diesem Wunsch komme ich gerne nach.

Es war die Initiative unseres Ministerpräsidenten, die maßgeblich dazu beigetragen hat, dass Sie heute ausgezeichnet werden.

Es ist ja so, dass die Vorschläge für Bundesverdienstkreuze in der Thüringer Staatskanzlei gesammelt und bearbeitet werden. Wenn die Thüringer Staatskanzlei zu einem positiven Ergebnis kommt, unterbreitet der Ministerpräsident dem Bundespräsidenten einen entsprechenden Vorschlag.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

die ehemalige kurmainzische Statthalterei ist eines der schönsten und repräsentativsten Gebäude in der Landeshauptstadt Erfurt. Keine andere Staatskanzlei in der Bundesrepublik Deutschland befindet sich in einem solch schönen historischen Gebäude. Dieses Gebäude spiegelt auch die wechselvolle und facettenreiche über 1.200-jährige Geschichte der Stadt Erfurt wider.

Vom ehemaligen Patrizierhaus wurde es zur Residenz des kurmainzischen Statthalters, vom preußischen Gouvernementsgebäude zum kaiserlichen Palast zur Zeit Napoleons.

Viele große Persönlichkeiten sind hier ein- und ausgegangen. Zwei Zimmer weiter, im Audienzsalon, hat sich 1808 zum Beispiel die denkwürdige Begegnung zwischen Napoleon und Goethe abgespielt.

Unter dem letzten Statthalter, dem Freiherrn von Dalberg fanden allwöchentlich die weithin bekannten Assembleen statt. "Man fand hier oft regierende Fürsten, Minister, Generäle, Staatsdiener aller Kategorien, Gelehrte, Künstler, Kaufleute und Handwerker bunt durcheinander gruppiert" – so ein Gast über die abwechslungsreiche Gesellschaft.

Heute ist die Staatskanzlei nicht nur Schaltstelle der Thüringer Landespolitik, sondern ebenfalls ein Ort der Begegnung, des Dialogs und der Kultur.

Mit Veranstaltungen wie dem Erfurter Dialog, aber auch mit Ehrungen wie der heutigen Ordensverleihung führen wir diese Tradition fort.

Die alten Römer nannten den Staat "res publica", die öffentliche Sache. In anderen Worten: Die Sache, die alle angeht. In diesem Sinne soll die Thüringer Staatskanzlei ein Ort der Begegnung und ein Ort bürgerschaftlicher Gesinnung sein.

Es handelt sich also um einen würdigen Ort und damit um einen geeigneten Rahmen für die Verleihung einer Auszeichnung.

Meine Damen und Herren,

bei den vier Personen, die wir heute ehren, geht es um Chancengleichheit, soziale Gerechtigkeit sowie um Teilhabe an der Gesellschaft.

Alle heute Geehrten setzen sich seit vielen Jahren für benachteiligte Menschen ein.

Der österreichische Sozialpädagoge Hermann Gemeiner (1919 – 1986), der bekannte Gründer der SOS-Kinderdörfer, hat einmal gesagt: "Alles Große in unserer Welt geschieht nur, weil jemand mehr tut, als er muss."

Diesen Satz halte ich für sehr bedenkenswert. Ich möchte ihn allerdings ergänzen: Auch sehr viele kleine Dinge geschehen nur, weil Menschen mehr tun als sie müssen.

Wir alle haben unsere beruflichen und persönlichen Pflichten. In Unternehmen, Institutionen oder auch in den Behörden gibt es Stellenbeschreibungen und Arbeitsvorschriften. Aber wir wissen auch: Wenn jeder nur "Dienst nach Vorschrift" leisten würde, dann würde unser Leben in vielen Bereichen nicht mehr funktionieren bzw. nicht hinreichend funktionieren.

Unsere Gesellschaft ist angewiesen auf die Bereitschaft sehr vieler Menschen, in unzähligen kleinen alltäglichen Dingen mehr zu tun, als sie unbedingt müssen.

In Thüringen unternimmt auch die Landesregierung viel dafür, diese Bereitschaft zu stärken. Wir haben seit 2002 die Thüringer Ehrenamtsstiftung, wir zeichnen Bürger mit der Thüringer Rose für ehrenamtliche Sozialarbeit aus, wir fördern die vielen Vereine in unserem Freistaat – insbesondere den Sport – sehr großzügig. Und dies trotz sehr knapper Haushaltsmittel. Ich kann und möchte die vielfältigen Maßnahmen heute nicht alle aufzählen.

Ich möchte aber auf das Wesentliche zu sprechen kommen. Das Wesentliche ist, mehr Menschen dafür zu begeistern, sich für andere einzusetzen und sich aktiv am öffentlichen Leben zu beteiligen. Denn Anstöße zur Verbesserung müssen aus der Gesellschaft selbst kommen, wenn ein Gemeinwesen nicht versteinern soll. Ein alleiniges Vertrauen auf den Staat und die öffentliche Hand überfordert deren Leistungsfähigkeit.

Und eins halte ich auch für wichtig: Engagement und Einsatz über die eigenen Anliegen hinaus hat auch eine persönliche Seite:

Denn jeder Mensch, der sich für etwas einsetzt und engagiert, was über den eigenen Lebensbereich hinaus geht, lebt ein reicheres, weil sinnerfüllteres Leben, als jemand, der ein ausschließlich selbstbezogenes Leben führt.

Engagement erfüllt das eigene Leben mit Bedeutung und gibt den Menschen, die sich für eine Aufgabe einsetzen, eine Erfüllung, die man sich nirgendwo kaufen kann. Eine echte Bereicherung!

Oder mit anderen Worten: Es kann auch sehr großen Spaß machen, anderen Menschen zu helfen. Es kann sehr großen Spaß machen, wenn die ehrenamtliche Arbeit erfolgreich ist.

Ich bin mir sicher, dass dies auch Frau Schmidt, Frau Paulusch, Herr Werkmeister und Herr Dr. Tscharnke aus ihrer eigenen Erfahrung bestätigen können.

Sie haben sicherlich nie daran gedacht, einmal einen Orden für Ihr Engagement zu bekommen. Dass es nun doch geschieht, macht den heutigen Tag für Sie hoffentlich besonders schön.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

die Verleihung der Verdienstmedaille ist ein Zeichen der Anerkennung für Leistungen, die weit über das übliche Maß hinausgehen. Diese Auszeichnung ist für Personen bestimmt, die nicht nur ihren beruflichen Verpflichtungen auf vorbildliche Weise nachgekommen sind, sondern die darüber hinaus etwas geschaffen haben, was es ohne ihre Initiative oder ohne ihren Einsatz so nicht gäbe.

Was diese allgemeine Formulierung konkret bedeutet, wird sichtbar, wenn ich die Gründe für die Ordensverleihung nenne.

Das Lebenswerk von Monika Kunhilda Schmidt aus Gotha ist ein außergewöhnliches Beispiel von selbstlosem und aufopferungsvollem Engagement.

Eigenschaften – wie sie auch die Heilige Elisabeth von Thüringen hatte.

Wie Elisabeth hat auch Frau Schmidt immer zunächst an andere gedacht und nicht an sich selber.

Frau Schmidt ist selbst schwer herzkrank und pflegt seit über 40 Jahren aufopferungsvoll und mit großer Liebe ihre geistig und körperlich behinderte Tochter und seit einigen Jahren ihren durch Schlaganfall gelähmten Mann.

Sie meistert ihr Leben aus ihrer christlichen Grundüberzeugung und mit liebenswürdiger Selbstverständlichkeit und Bescheidenheit.

Trotz dieser täglichen Herausforderung werden Sie von Ihren Mitmenschen sehr optimistisch beschrieben. Man erlebt Sie nie missmutig oder mürrisch, sondern immer fröhlich, freundlich und hilfsbereit. Sie, liebe Frau Schmidt, stehen als Beispiel für Menschen, die nicht klagen sondern mit beeindruckender Hingabe ihr tägliches Leben meistern.

Es gibt einen Spruch von Albert Schweitzer, dem berühmten Urwald-Arzt, Theologen und Komponisten. Ich halte Albert Schweitzer für eine der größten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte überhaupt. Er hat einmal gesagt: "Es hat keinen Sinn, über die Dunkelheit zu schimpfen, wenn man nicht selbst versucht, ein Licht anzuzünden!"

Ich glaube, Albert Schweitzer würde sich sehr darüber freuen, wenn er die Aktivitäten von Frau Schmidt heute sehen könnte.

Frau Schmidt ist aktives Mitglied der Kirchengemeinde "St. Bonifacius" in Gotha. Ihre Aktivität beschränkt sich jedoch nicht nur auf den regelmäßigen Besuch der Gottesdienste, aus dem sie persönlich die notwendige Kraft schöpft für die Bewältigung ihres Alltags. Frau Schmidt ist als aktive Gemeindehelferin tätig. Sie trägt in einigen Straßen der Stadt den Gemeindebrief aus und besucht die älteren Gemeindemitgliedern zu besonderen Geburtstagen.

Die Ehrung von Frau Schmidt hat daher auch Signalcharakter für alle anderen Gemeindehelfer in Thüringen. Vielleicht sollten wir daran denken, wenn wir einen Gemeindebrief in unserem Briefkasten finden.

Und vielleicht motiviert die heutige Auszeichnung auch andere Gemeindemitglieder, ebenfalls noch stärker zu helfen.

Gestatten Sie mir abschließend zu Frau Schmidt noch eine besondere Bemerkung.

Eigentlich soll man vor einem Geburtstag nicht vorzeitig gratulieren. Und eigentlich soll man aus Höflichkeit das Alter von Frauen nicht öffentlich nennen.

In unserer Zeit hat sich diese Einstellung jedoch überholt.

Ich möchte Ihnen, liebe Frau Schmidt, daher bereits heute zu Ihrem 70. Geburtstag, den Sie in drei Tagen feiern werden, herzlich gratulieren!

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich komme zu Bertha Frieda Erika Paulusch aus Haynrode.

Frau Paulusch war über 40 Jahre als Kindergärtnerin in Haynrode tätig. Sie hat selbst drei Kinder, vier Enkelkinder und ein Urenkelkind.

Frau Paulusch wird heute für ihr besonders herausragendes überdurchschnittliches ehrenamtliches Engagement in der Seniorenarbeit und für ihr gesamtes Lebenswerk geehrt.

Frau Paulusch ist aktives Mitglied der Volkssolidarität.

Die Volkssolidarität gehört zu den wichtigsten Wohlfahrtsorganisationen in Mitteldeutschland und insbesondere in Thüringen. Die mehr als zehn Jahre währende ehrenamtliche Arbeit von Frau Paulusch als Vorsitzende der Volkssolidarität in Haynrode hat große Bedeutung für das Gemeinwohl.

Ihrem aktiven Einsatz ist es zu verdanken, dass in Haynrode ein anspruchsvolles und selbstbestimmtes Betätigungsfeld für ältere Mitbürger existiert. Frau Paulusch steht den Senioren als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Sie gratuliert zu Geburtstagen und Jubiläen, sie spendet Trost und unterstützt in schwierigen Lebenssituationen.

Das Engagement von Frau Paulusch ist ein wertvoller Beitrag gegen Einsamkeit und für ein sinnhaftes Dasein in der Gesellschaft.

Frau Paulusch versteht es sehr gut, die Mitglieder der Ortsgruppe zu motivieren, um ein vielseitiges Programm für ein erfolgreiches Vereinsleben zu organisieren.

Ich hatte zu Beginn meiner Rede gesagt: "Ehrenamt macht Spaß".

Natürlich bin ich mir darüber im Klaren – Ehrenamt ist mit viel Mühe, Arbeit und Aufwand verbunden – dies weiß jeder von Ihnen – aber es macht auch großen Spaß, wenn man erfolgreich ist.

Frau Paulusch ist ein Musterbeispiel dafür.

Dies zeigt sich auch in den hohen Teilnehmerzahlen an Veranstaltungen und Reisen. Auch bei anderen Veranstaltungen im Ort – zum Beispiel bei der Vorbereitung des Herbstfestes in Haynrode – hilft sie uneigennützig mit. Der Erlös vom Verkauf von den Senioren angefertigten Handarbeiten bei solchen Festen hilft mit beim Bau eines neuen Spielplatzes oder der Gestaltung des Jugendklubs.

Frau Paulusch selbst hängt ihre Aktivitäten nicht an die "Große Glocke", sondern arbeitet bescheiden eher im Hintergrund.

Dies ist auch eine Gemeinsamkeit mit Frau Schmidt, die wir vorhin gewürdigt haben.

Uneigennützigkeit und Bescheidenheit sind heute keine Selbstverständlichkeiten.

Ich meine, wir alle sollten wieder mehr Bescheidenheit lernen. Wir alle sollten darüber nachdenken, wieder mehr auf eigene Vorteile zu Gunsten anderer Menschen zu verzichten. Frau Paulusch ist ein gutes Beispiel dafür.

Die Menschen in Haynrode – und weit darüber hinaus – haben ihr viel zu verdanken!

Ich komme zu Karl Georg Lothar Werkmeister aus Sollstedt.

Herr Werkmeister erhält heute die höchste Auszeichnung, die die Bundesrepublik Deutschland zu vergeben hat, das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Herr Werkmeister hat nach Ausbildung und Studium fast sein gesamtes Berufsleben im Südharzer Kalibergbau verbracht. Nach der Umstrukturierung und Stilllegung der Kaliwerke 1990 wollte er nicht im Vorruhestand verharren und suchte nach einer sinnvollen Beschäftigung. So begann er, sich als stellvertretender Vorsitzender des im Dezember 1991 gegründeten Fördervereins "Soziales Zentrum" Sollstedt zu engagieren. Vorsitzender dieses Vereins war ein Herr Metz, der selbst jedoch voll berufstätig war. Herr Werkmeister war deshalb voll gefordert und blieb doch in der ihm eigenen bescheidenen und zurückhaltenden Art stets der Mann im Hintergrund.

Dies ist übrigens ein Kennzeichen von vielen Vereinen, Verbänden, Institutionen und anderen Einrichtungen. Überall gibt es Personen, die gern im Vordergrund stehen – und es gibt auch Personen, die die eigentliche Arbeit, sozusagen die "Kernerarbeit" verrichten. Ihnen allen sollten wir dankbar sein.

Der Förderverein "Soziales Zentrum" Sollstedt beschränkte sich zu Beginn auf die Unterbreitung von Angeboten für ältere und sozial benachteiligte Bürgerinnen und Bürger in Sollstedt. Mit finanzieller und personeller Unterstützung durch Fördermittel wurde zunächst eine Seniorenbegegnungsstätte geschaffen. Im Sommer 1992 folgte die Einweihung eines Jugendklubs.

In der Folge wurde damit begonnen, die in der Seniorenbegegnungsstätte vorhandene großzügige Küche zu nutzen, um Rentnern und Bedürftigen ein preiswertes Mittagessen anzubieten, bald wurde auch der Kindergarten einbezogen und ein Bringdienst etabliert.

Im Jahr 1996 wurde der Förderverein freier Träger für den Kindergarten der Gemeinde. Aus einem anfänglich sporadischen Pflege- und Betreuungsdienst durch zwei Mitarbeiterinnen der Seniorenbegegnungsstätte, die examinierte Krankenschwestern sind, entstand ein ambulanter Pflegedienst mit einem stetig anwachsenden Patientenstamm, ergänzt durch hauswirtschaftliche Angebote und einen Fahrdienst.

Inzwischen konnte der Mitarbeiterstamm verzehnfacht werden, der ehrenamtliche Vorstand musste Arbeitgeberpflichten für 40 bis 50 Beschäftigte, ABM-Kräfte und Praktikanten wahrnehmen.

Herr Werkmeister hat als stellvertretender Vorsitzender des Vereins vielfältige neue und zusätzliche Aufgaben übernommen.

Dazu zählen die Verantwortung für die Arbeitssicherheit und den Arbeitsschutz, Erstellung von Dienst- und Geschäftsanweisungen, Protokollführung und detaillierte Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Er eignete sich die Kenntnisse für den Umgang mit einem Computer an und finanzierte manche notwendige Arbeitsgrundlage aus seiner eigenen Tasche.

An diesem Beispiel kann man gut nachvollziehen, was aus einer Idee und was aus Hilfsbereitschaft werden kann.

Aus bescheidenen Anfängen – sozusagen aus der Not geboren – hat sich ein umfassendes Hilfsangebot entwickelt, das sich Schritt für Schritt etabliert hat und heute nicht mehr wegzudenken ist.

Wenn Sie sich an die Anfänge der heutigen großen Hilfsorganisationen erinnern – damals ist es ähnlich gewesen!

Als Johann Heinrich Wichern, dessen 200. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern, die ersten Einrichtungen für notleidende Kinder und Jugendliche gründete, konnte er auch noch nicht ahnen, dass sich daraus einmal die Diakonie entwickeln würde, die heute bundesweit mehrere tausend Mitarbeiter hat und unzählige Einrichtungen betreut.

Heute wird Herr Werkmeister für sein Lebenswerk geehrt.

Herr Werkmeister ist ein Musterbeispiel für bürgerschaftliches Engagement. Er hat für seine Ideen und durch sein Handeln Impulse gegeben. Er hat Hilfsbereitschaft angestoßen und selber vorgelebt.

Dafür erhält er heute das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Dr. Jochen Wulf Tscharnke aus Saalfeld ist seit über drei Jahrzehnten ein geschätzter Arzt, Wissenschaftler und Gesundheitspolitiker.

Als Chefarzt der urologischen Abteilung der Thüringen Klinik GmbH hat er maßgeblich zum guten Ruf beigetragen, den dieses Krankenhaus genießt.

Dr. Tscharnke konnte unzähligen Menschen helfen. Jeder, der schon einmal mit einer Erkrankung der Nieren oder der Blase zu tun hatte – dies gilt insbesondere für Krebspatienten – weiß, wie unangenehm und schmerzhaft diese Krankheiten sein können. Auch die Behandlung derartiger Krankheiten ist nicht nur eine körperliche Angelegenheit, sondern setzt vor allen Dingen auf Sensibilität und Einfühlungsvermögen voraus.

Besonderes Augenmerk legte Dr. Tscharnke seit jeher auch auf die Ausbildung von jungen Assistenzärzten. Bisher hat er bereits mehr als zehn junge Ärzte betreut und ihnen das notwendige Rüstzeug vermittelt.

Sie haben bei Dr. Tscharnke eine "gute Schule" gehabt.

Seit 1990 ist Dr. Tscharnke in einer Fülle von Ämtern ehrenamtlich tätig. Wie die übrigen Persönlichkeiten, die wir heute ehren, geschieht dieser persönliche Einsatz unter Zurückstellung von persönlichen Interessen.

Als ehrenamtlicher Beigeordneter des Landrates des Landkreis Saalfeld setzte er sich in den Jahren 1990 bis 1994 maßgeblich für die Umstrukturierung des ehemaligen DDR-Gesundheitssystems ein.

Hier bestand ein jahrzehntelanger Nachholbedarf. Im Vordergrund stand dabei die Umwandlung des ehemaligen Kreiskrankenhauses Saalfeld in die Thüringen Kliniken gGmbH. Seit deren Gründung setzte er sich als Aufsichtsratsmitglied mit seiner Sachkenntnis und voller Tatkraft für die Entwicklung der Klinik ein.

Gerade das ehrenamtliche Wirken von Dr. Tscharnke hat großen Anteil an der Entwicklung der Klinik zu einer anerkannten und effizienten Gesundheitseinrichtung, die auch über den heutigen Landkreis hinaus bekannt ist.

Herr Dr. Tscharnke hat also die schwierige Zeit des Übergangs hervorragend gestaltet und hat mit seinen Aktivitäten überhaupt erst die Rahmenbedingungen dafür geschaffen, dass das Krankenhaus in Saalfeld eine gute Zukunft erhalten hat.

Herr Dr. Tscharnke hat sehr weitsichtig und sehr verantwortungsvoll gehandelt.

Es gibt auch andere Beispiele in Thüringen, bei denen die handelnden Personen die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben und die es nicht geschafft haben, einen Krankenhausstandort zu erhalten.

Herr Dr. Tscharnke war seit 1991 im neu gebildeten Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt engagiert. Dort arbeitete er als stellvertretender Vorsitzender und seit 1992 in einem weiteren Ehrenamt mit. Dieser Kreisverband der AWO ist heute mit 1.200 Mitgliedern der stärkste in Thüringen überhaupt. Ich hebe dieses deshalb so hervor, weil der Landkreis sehr ländlich strukturiert ist. Dies stellt besondere Herausforderungen zum Beispiel an die Kinder- und Jugendarbeit. Von 1996 bis 2000 war Herr Dr. Tscharnke ehrenamtliches Mitglied im AWO Landesvorstand Thüringen.

Darüber hinaus trägt er als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der im Jahr 2000 gegründeten AWO Saalfeld gGmbH wesentlich mit dazu bei, dass in diesem Bereich über 500 Arbeitsplätze geschaffen wurden und über 15 Millionen Euro insbesondere in die Schaffung von Voraussetzungen zur Betreuung von Kindern und Senioren sowie behinderten und benachteiligten Menschen investiert wurden.

Diese Zahlen sind Ausdruck unserer sozialen Marktwirtschaft.

Herrn Dr. Tscharnke ist es immer sehr gut gelungen, wirtschaftliche Interessen mit sozialen Verpflichtungen zu verknüpfen.

Er ist auch Gründungspräsident des Rotary Clubs Saalfeld und Vorsitzender des Rotary Hilfswerkes Saalfeld. Unter seinem Vorsitz wurde ein Spendenaufkommen von mehr als 250.000 Euro gesammelt und überwiegend für soziale Zwecke verwendet.

Nach der Bildung des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt im Rahmen der Kreisgebietsreform war er ab 1994 Kreistagsmitglied, als Vorsitzender der CDU-Fraktion und als Vorsitzender des Ausschusses für Soziales und Gesundheit tätig.

Ich kann persönlich gut nachvollziehen, welche Mühe und Arbeit mit diesen Ehrenämtern verbunden ist.

Jeder der in Thüringen kommunalpolitisch tätig ist, verdient unsere Bewunderung. Jeder Kommunalpolitiker hat einen enormen Zeitaufwand. Er muss schwierige Dinge durchsetzen.

Dies ist Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Tscharnke mit viel Sachkenntnis und Tatkraft gelungen. Die Lösung sozialer und kommunalpolitischer Belange ist keine leichte Aufgabe. Man braucht praktisch einen "langen Atem" und viel Geduld und Erfahrung, um erfolgreich zu sein.

Auch Sie erhalten heute die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland, das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

alle heute genannten Personen haben sich um das Gemeinwohl in Thüringen außerordentlich verdient gemacht – in unterschiedlichen Bereichen – aber umso bereichernder für uns alle!

Bitte lassen Sie mit Ihren Aktivitäten nicht nach! Bitte gehen Sie den von Ihnen beschrittenen Weg weiter! Und: Nehmen Sie auch andere Menschen auf diesem Weg mit.

Oder mit anderen Worten: Bleiben Sie so, wie Sie sind!

Meine Damen und Herren,

ich möchte den geehrten Persönlichkeiten nun die Ordensinsignien überreichen.

Bereits jetzt bedanke ich mich bei der Musikschule Erfurt, die wir gleich zum Abschluss noch einmal hören werden. Und ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.