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Heimliche und unbekannte Wesen
Fledermäuse sind die einzigen flugfähigen Säugetiere der Erde. Von den ca. 800 bekannten Arten , kommen 30 in Europa vor. In Thüringen leben (noch) 18 verschiedene Arten. Fledermäuse leben in Gruppen zusammen die man "Kolonien" nennt. Alle heimischen Fledermäuse ernähren sich von Insekten. Pro Nacht vertilgt eine Fledermaus davon eine Menge die ca. 20 - 30 % ihres Körpergewichts entspricht. Viele Fledermausarten sind standorttreu, es gibt aber auch Arten bei den die Sommer- und Winterlebensräume mehrere hundert bis tausend Kilometer von einander getrennt liegen. Solche wandernden Arten fliegen auf ihrem Zug auch über Thüringen.
Fledermäuse sind nachtaktiv, "sie sehen mit den Ohren". Beutelokalisation und Orientierung in der Dunkelheit erfolgen durch Echoortung. Dazu stoßen sie in kurzen Abständen hochfrequente laute Rufe (15 - 100 kHz, über 100 dB laut) über Mund oder Nase aus und erlangen über die reflektierten Echos ein "Hörbild". Allerdings nur von ihrer nächsten Umgebung! Auf unsere Vorstellung übertragen bedeutet dies, daß die Fledermäuse quasi immer "im Nebel" fliegen. Die Tiere müssen sich ihre oft mehrere Quadratkilometer großen Jagdlebensräume regelrecht "erfliegen" und über ein ausgezeichnetes Ortsgedächtnis verfügen, um weiter entfernte Jagdgebiete zielgenau anzufliegen. Sie benutzen dazu häufig "Flugstraßen", die längs von Hecken, Waldrändern, Wegen und anderen für die Echoortung nutzbaren "akustischen Leitlinien" entlang führen.
Geschützt und dennoch gefährdet (§ 20 BNatSchG )
Der Schutz der Fledermäuse ist in der Bundesartenschutzverordnung und dem Bundesnaturschutzgesetz festgelegt. Es ist es verboten, Fledermäuse zu fangen, sie zu verletzen oder zu töten oder ihre Wohnstätten zu zerstören. Eine Störung der Tiere ist ebenfalls untersagt. Auch im Rahmen der "ordnungsgemäßen Bodennutzung" (Landwirtschaftsklausel) ist eine beabsichtigte Beeinträchtigung der Fledermäuse strafbar.
Innerhalb der letzten Jahrzehnte sind die Bestände aller heimischer Fledermausarten drastisch zurückgegangen, manche Arten sind vom Aussterben bedroht, eine Art in Thüringen bereits ausgestorben. Die Ursache dieser rückläufigen Bestandsentwicklung liegt in der anhaltenden Zerstörung und Einengung ihres Lebensraums.
Das Fledermausjahr
In Anpassung an das ungenügende Insektenangebot im Winterhalbjahr halten einheimische Fledermäuse zwischen Oktober und März Winterschlaf. Hierzu ziehen sie sich in unterirdische Quartiere mit hoher Luftfeuchtigkeit zurück. Manchen Arten dienen auch Hohlräume in dickstämmigen Bäumen als Winterquartier.
Nach dem endgültigen Verlassen der Winterquartiere im Frühjahr ziehen die Tiere in ihre Sommerlebensräume, die je nach Art unterschiedlich weit von den Überwinterungsquartieren entfernt sein können. In der Zugzeit legen wandernde Arten über 1000 km in kurzer Zeit zurück. Auf ihrer Wanderung nützen sie Zwischenquartiere.
Die Weibchen sammeln sich im Mai in sogenannten Wochenstuben, um im Juni ihre Jungen zu gebären und gemeinsam aufzuziehen. Die meisten Arten gebären nur ein Jungtier pro Jahr. Bei Waldfledermäusen finden sich selten mehr als 20 bis 30 Tiere in einer als Wochenstube genutzten Baumhöhle, dafür verteilt sich die ortsansässige Weibchenpopulation auf mehrere Baumquartiere. Die Männchen leben während des Sommers als Einzelgänger oder in Männchenkolonien. Diese sind mehr oder weniger weit von den Weibchenquartieren entfernt.
Während der Jungenaufzuchtsphase sind Fledermäuse besonders auf ein ausreichendes Nahrungsangebot in Quartiernähe angewiesen. Insektenknappheit bei kühler Witterung führt regelmäßig zu teilweise großen Jungtierverlusten in dieser kritischen Phase. Geringe Geburtenrate und hohe Sterblichkeit im ersten Lebensjahr erschweren die Erholung von Bestandseinbußen.
Nach dem Selbstständigwerden der Jungtiere im August lösen sich die Wochenstuben auf. Weibchen und Männchen suchen Paarungs- und Balzquartiere auf. Bei manchen Arten sind dies Baumhöhlen, andere Arten treffen sich zur Paarung an bestimmten unterirdischen Winterquartieren. Häufig sind dies an markanten Geländepunkten gelegene Keller oder Höhlen an denen im September nachts zahlreiche Fledermäuse "schwärmen". Diese Schwarmquartiere sind wesentliche Eckpfeiler der sozialen Kommunikation und des Fortpflanzungssystems.
Erst nach der Paarungszeit, - und damit meist auch in der Nähe der späteren Überwinterungsquartiere , legen sich die Fledermäuse im Spätherbst die Fettreserven zu, die es ihnen gestatten, die nahrungsarme kalte Jahreszeit zu überleben.
Was sind Waldfledermäuse?
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| Der Kleinabendsegler ist eine Fledermausart |
Ausbreitung auf den menschlichen Siedlungsraum. Von den 18 in Thüringen vorkommenden Fledermausarten leben heute vorzugsweise 14 Arten im Siedlungsbereich und 9 Arten im Wald. Einige Arten sind sowohl "Gebäudefledermäuse" als auch " Waldfledermäuse" hinsichtlich der Wahl ihrer Quartiere. Ihre enge Bindung zum Lebensraum Wald haben die meisten Fledermausarten jedoch nicht verloren und benötigen ihn als Nahrungshabitat, Quartiergebiet, Rastgebiet auf dem Zug oder zur Überwinterung. Fledermäuse die bevorzugt (aber eben nicht immer) im Wald angetroffen werden sind z.B. Kleinabendsegler und Abendsegler, Fransenfledermaus, Braunes Langohr, Wasserfledermaus oder die Rauhhautfledermaus. Eine Art die fast ausschließlich im Wald jagt, aber ihr Quartier in den Dachböden großer Gebäude hat, ist das Mausohr. Bartfledermäuse sind in Thüringen meist Gebäudebewohner, werden aber im Herbst regelmäßig im Wald in Nistkästen angetroffen.
Nicht nur das Gedankengut von J.M. Bechstein lebt in Thüringen weiter!
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| Bechsteinfledermaus |
Übrigens:
Der "Bechstein`sche Geist" kann auch heute noch in Thüringer Wäldern angetroffen werden. Nach dem Fledermausforscher J.M BECHSTEIN wurde im Jahre 1812 die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteini) benannt. Sie ist eine "echte Waldfledermausart" und hat ihre Wochenstubenquartiere in Baumhöhlen oder Nistkästen in alten Laubwaldbeständen.