Freistaat Thüringen Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz

Inhalt

EU-Life Projekt

"Erhaltung und Entwicklung der Binnensalzstellen Nordthüringens" (2003 - 2008)

Einzigartige Salzige Landschaft

Queller klein
Queller auf stark salzhaltigem Boden

Das Kyffhäusergebirge und seine Umgebung bieten ein abwechslungsreiches Landschaftsbild. Vielen dürften die trockenen Gipshänge des Kyffhäusers und die alten Laubwälder der Hainleite, welche die fruchtbaren Täler der Goldenen und Diamantenen Aue säumen, bekannt sein.
Doch es gibt noch andere Kostbarkeiten zu entdecken – die naturnahen Binnensalzstellen. Hier wachsen Pflanzen, die in Europa hauptsächlich an den Meeresküsten vorkommen.

Strukturreiche Binnensalzsstelle
Strukturreiche Binnensalzstelle

Für die Menschen war das Salz in der Vergangenheit so kostbar wie Gold. Für die meisten Pflanzen ist es eher Gift. Dennoch haben es einige Pflanzen geschafft, sich diesen schwierigen Bedingungen anzupassen. Sie haben hier einen Konkurrenzvorteil gegenüber den Pflanzenarten und Pflanzengesellschaften, die sie auf den „süßen“, nicht salzbeeinflussten Böden verdrängen würden.
Dies schaffen sie durch verschiedene Tricks. So kann das Strand-Milchkraut (Glaux maritima) überschüssiges Salz aus speziellen Drüsen ausscheiden. Andere schwächen die schädigende Wirkung des Salzes ab, indem sie Wasser in ihren Zellen einlagern. Viele Salzpflanzen erscheinen deshalb dickfleischiger bzw. aufgequollen, wie zum Beispiel der Queller (Salicornia europaea).

Hauptgrund für das Vorkommen der Salzwiesen im Binnenland ist das Vorkommen von Steinsalz nahe der Erdoberfläche. Die Salzlagerstätten bildeten sich aus dem Zechsteinmeer vor 255 Millionen Jahren. In geologischen Störungszonen kann salzhaltiges Grundwasser an die Oberfläche treten. Dies geschieht beispielsweise in Artern, Bad-Frankenhausen und an der Numburg nahe des Stausees Kelbra als schüttende Salzquelle.
Im Esperstedter Ried und den Kachstedter Salzwiesen, aber auch in der Solwiese nordwestlich der Numburg gibt es diffuse Salzwasseraufstiege, die zu einer Anreicherung des Bodens mit Natriumchlorid führen. Für die Ausprägung der Binnensalzstellen spielt weiterhin das Klima um den Kyffhäuser mit den geringen Niederschlägen eine entscheidende Rolle. Die Niederschlagsarmut verhindert ein stärkeres Auswaschen der Salze in den Untergrund. Längere Trockenzeiten führen durch Verdunsten des salzhaltigen Grundwassers zu einer Anreicherung der Salze in den oberen Bodenschichten und schaffen günstige Bedingungen für die Salzpflanzen.

Es ist zu bemerken, dass die Verbreitungsschwerpunkte von zahlreichen im Gebiet anzutreffenden salzverträglichen Pflanzen, wie z. B. der Felsen-Beifuß (Artemisia rupestris) in den ariden Gebieten Osteuropas und Innerasiens liegen.

Auch verschiedene Tiergruppen haben sich die salzbeeinflussten Bereiche erschlossen. Hier gibt es hochspezialisierte und zum Teil gefährdete Käfer-, Mücken- und Wanzenarten. Auf den großflächigeren salzbeeinflussten Grünlandbereichen fühlen sich auch Wiesenbrüter wie Kiebitz, Bekassine oder gar Wachtelkönig wohl. Selbst der Storch geht hier auf Nahrungssuche.

Wer sich noch ausführlicher über die Binnensalzstellen und andere Lebensräume um den Kyffhäuser sowie kulturhistorische Besonderheiten der Region informieren möchte, der sollte unbedingt im Regionalmuseum im Schloss Bad-Frankenkenhausen vorbeischauen.