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Der Freistaat Thüringen im Zentrum Deutschlands und Europas gelegen, kann auf eine große kulturelle und wissenschaftliche Tradition zurück blicken. Diesen Traditionen folgend wurde nach 1990 eine Wissenschaftslandschaft in Thüringen aufgebaut, die durch die vier Universitäten, die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, und die vier Fachhochschulen in Erfurt, Jena, Nordhausen und Schmalkalden gekennzeichnet ist. Als weitere wissenschaftliche Bildungseinrichtungen ist die Berufsakademie mit den Studienabteilungen in Gera und Eisenach zu nennen.
Erfurt war Standort einer der ältesten und zeitweise bedeutendsten deutschen Universitäten. Die Universität zu Erfurt wurde 1392 gegründet und wurde 1816 geschlossen. Ihre Blütezeit hatte sie im 15. Jahrhundert und beherbergte damals fast ein Viertel aller deutschen Studenten. Ein klar gegliedertes berufsfeldorientiertes Studium mit Leistungspunktesystem und integriertem Studium Fundamentale, neukonzipierte Studienrichtungen sowie eine studienbegleitende mentorielle Betreuung prägen das Profil der 1994 wiedergegründeten Universität Erfurt.
Die Friedrich-Schiller-Universität Jena wurde 1558 gegründet und gehört damit zu den ältesten Universitäten Deutschlands. Nur wenige andere deutsche Universitäten können für sich in Anspruch nehmen, Studien- oder Wirkungsort solch einer Vielzahl bedeutender Persönlichkeiten gewesen zu sein wie die Alma mater Jenensis. Hier lehrten die Mathematiker Weigel und Frege, die Philosophen Fichte, Hegel und Schelling, der Dichter und Philosophiehistoriker Schiller, nach dem die Hochschule benannt wurde, der Physiker Abbe in Zusammenarbeit mit dem Universitätsmechanikus Zeiss, der Chemiker Doebereiner, der Zoologe Haeckel. Die innere Auseinandersetzung mit der Vergangenheit nach der politischen Wende und ein frühzeitiges Handeln nach außen waren die Voraussetzung dafür, dass die Universität heute einen achtbaren Platz in der Hochschullandschaft in Deutschland einnimmt.
Das Bauhaus, 1919 in Weimar gegründet, widmete sich dem Entwurf neuer Lebensräume, es war ein Ort ungewöhnlicher Ideen. Die heutige Bauhaus-Universität Weimar folgt der Grundidee des Bauhauses und interpretiert sie neu. Entscheidend dabei ist das geistige Millieu einer kreativen Denkschule, die sich gleichzeitig technischen und künstlerischen Problemen stellt. Architektur, Bauingenieurwesen, Gestaltung und Medien – mit ihren Fakultäten und Arbeitsgebieten verfügt die Universität über ein einzigartiges Profil.
Die Technische Universität Ilmenau steht für eine über 110jährige Tradition in der Ingenieurausbildung. Sie begann 1894 mit dem „Thüringischen Technikum“, einer privaten Bildungseinrichtung, und führte über die Hochschule für Elektrotechnik und die Technische Hochschule zur heutigen Technischen Universität. Technik, Wirtschaft und Medien sind die Säulen der heutigen Ilmenauer Ausbildung.
Die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar als einzige Musikhochschule in Thüringen hat ihren Ursprung in der 1872 gegründeten großherzoglichen Musikschule, die 1930 zu einer staatlichen Musikhochschule wurde und seit 1956 den heutigen Namen trägt. Heute studieren junge Musiker, Musikwissenschaftler und Musikpädagogen an der Hochschule.
Als Vorläufereinrichtungen der 1991 gegründeten Fachhochschule Erfurt können die 1901 gegründete Baugewerkschule und die 1946 bzw. 1947 gegründeten Ingenieurschulen für Gartenbau und Bauwesen bezeichnet werden. Heute werden Studierende in den acht Fachbereichen Architektur, Bauingenieurwesen, Sozialwesen, Gebäudetechnik und Informatik, Konservierung und Restaurierung, Verkehrs- und Transportwesen, Wirtschaftswissenschaften sowie Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forst ausgebildet.
Die Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena – Hochschule für angewandte Wissenschaften, mit den Ausbildungsschwerpunkten Ingenieurwissenschaften, Betriebswirtschaft und Sozialwissenschaften, wurde 1991 als eine der ersten Bildungseinrichtungen ihrer Art in den Neuen Bundesländern gegründet.
Die am reizvollen Südharz gelegene Stadt Nordhausen wurde im Juli 1997 mit der Gründung der Fachhochschule Nordhausen zum Hochschulstandort. In den zwei Fachbereichen Ingenieurwissenschaften und Wirtschafts- und Sozialwissenschaften werden innovative und zukunftsweisende Bachelor-Studiengänge angeboten.
Seit 1902 werden in Schmalkalden junge Menschen zu Ingenieuren ausgebildet. 1991 wurde die Fachhochschule Schmalkalden mit den Fachbereichen Elektrotechnik, Informatik, Maschinenbau und Wirtschaft gegründet. Fünf Jahre später kam der Fachbereich Wirtschaftsrecht dazu.
Die Berufsakademien vermitteln in einem dreijährigen dualen Studium eine wissenschaftsbezogene und zugleich praxisintegrierte Bildung auf Hochschulniveau. Durch das Zusammenwirken der Staatlichen Studienakademie und der als Praxispartner ausbildenden Unternehmen, Einrichtungen und sozialen Träger wird ein besonders praxisnahes Qualifikationsprofil erreicht.
In dem Bemühen an die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der alten Bundesländer anzuknüpfen, nimmt die wissenschaftliche Forschung in Thüringen eine Schlüsselstellung ein.
Beispielhaft für die Entwicklung der Wissenschaft in Thüringen und das zugrundeliegende forschungspolitische Konzept ist die Verflechtung der verschiedenen Bereiche auf dem Wissenschafts-Campus Beutenberg in Jena. Die dort ansässigen Institute für Leibniz-Institut für Altersforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI) (vormals Molekulare Biotechnologie - IMB), Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie e.V. - Hans-Knöll-Institut (HKI) und Institut für Photonische Technologien (IPHT) kooperieren eng mit ebenfalls dort ansässigen Instituten der Friedrich-Schiller-Universität und des Klinikums der FSU und sind personell mit der Universität durch eine Vielzahl gemeinsamer Berufungen verknüpft. An den durch die DFG geförderten Sonderforschungsbereichen, Innovationskollegs und Graduiertenkollegs der FSU sind Wissenschaftler aus außeruniversitären Forschungseinrichtungen unmittelbar beteiligt.
In Umsetzung des mit dem Sondervotum bedachten Bio-Instrumente-Konzeptes im Rahmen des bundesweiten BioRegio-Wettbewerbs werden die von allen Einrichtungen genutzten zentralen Dienste des Beutenberg-Campus institutionell und baulich weiterentwickelt. So wurde u. a. ein Bio-Instrumente-Zentrum (BIZ) gebaut, das durch die Bereitstellung flexibel nutzbarer Laborflächen für Unternehmensgründer und weitere Unterstützungsmaßnahmen optimale Bedingungen für einen erfolgreichen Technologietransfer zwischen Hochtechnologieunternehmen, Grundlagenforschung und anwendungsorientierter Forschung in biotechnologisch-pharmazeutischen, medizinischen und physikalisch-technischen Bereichen schafft.
Aus der Zusammenarbeit von Technologieunternehmen wie Jenoptik, Schott und Carl Zeiss mit den Instituten der FSU, der Fachhochschule Jena, des IPHT und des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Optik und Feinmechanik ergeben sich Impulse sowohl für die Wirtschaft als auch für Wissenschaft. Neben der Nutzung neuer Effekte der Lasertechnik haben gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsvorhaben auf dem Gebiet der Mikrooptik und der optischen Schichten zur Bildung eines gleichnamigen Forschungsschwerpunktes geführt. Äußerst erfreulich ist die Entscheidung der Max-Planck-Gesellschaft, die Institute für chemische Ökologie und Biogeochemie auf dem Wissenschaftszentrum Beutenberg anzusiedeln, wodurch das Profil dieses Zentrums entscheidend ergänzt wird.
Das Max-Planck-Institut zur Erforschung von Wirtschaftssystemen befindet sich ebenfalls in Jena und untersucht Transformationsprozesse beim Übergang von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft.
Die Thüringer Landessternwarte Tautenburg arbeitet an Forschungsprogrammen in den Bereichen der Astronomie und Astrophysik, insbesondere der beobachtenden Astronomie. Darüber hinaus nimmt sie Aufgaben bei der Ausbildung von Studenten und Diplomanden der Physik und Doktoranden der Astrophysik wahr.
In der Region Ilmenau ist mit dem Aufbau des Instituts für Mikroelektronik und Mechatroniksysteme (IMMS) als An-Institut der Technischen Universität Ilmenau ein Bindeglied zwischen universitärer Forschung und industrieller Praxis auf dem Gebiet der Mikroelektronik und der Systemtechnik im Sinne des Entwurfs der Simulation und der Optimierung mechatronischer Systeme geschaffen worden, um die Transferlücken zwischen Grundlagenforschung und möglichen Anwendungen zu schließen. Durch die Errichtung einer Außenstelle in Erfurt ist die Anbindung an die in der Region erhalten gebliebenen industriellen Kerne im Bereich der Mikroelektronik- und Kommunikationstechnik gesichert.
Die Forschung an der Bauhaus Universität Weimar hat ihren Schwerpunkt u.a. in den Bereichen Bauingenieurwesen und Materialforschung und ist durch die enge Zusammenarbeit mit der Materialforschungs- und Prüfanstalt (MFPA) gekennzeichnet.
In Weimar befindet sich des weiteren die Forschungsstation für Quartärpaläontologie Weimar der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft. Sie beschäftigt sich mit der Erforschung der Lebenswelt des Eiszeitalters und beherbergt die derzeit vielfältigsten Sammlungen eiszeitlicher Tier- und Pflanzenreste im europäischen Raum.
Am Standort Heiligenstadt befindet sich das Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V. (iba). Das iba arbeitet an Forschungsthemen zu technischen Systemen und Verfahren für die Biotechnologie und Medizintechnik.
Informationen über aktuelle Forschungsvorhaben und nationale und internationale Kooperationspartner bieten die Internetseiten der Hochschulen und Institute.