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Suhl

Bereits ein aus dem 17. Jahrhundert stammendes „SI-GILLVM CIVITATIS SVLAE“ zeigt das Tor mit der Henne darin und die Hacke und Sohle schräggekreuzt übereinander. Das von der Suhler Stadtverwaltung am 24. Februar 1991 bestätigte Stadtwappen geht auf diese Darstellung zurück und zeigt in Silber eine rote Burg mit roten Zinnen und goldenem Tore mit goldenen, schwarz beschlagenen Torflügeln sowie zwei blau spitzbedachten Türmen mit schwarzen Fenstern, zwischen denen eine schräg links liegende blaue Hacke schwebt, deren goldener Stiel eine goldene Erzmulde (sogenannte „Schuhsohle“) kreuzt; im geöffneten Tore stehend nach rechts auf grünem Dreiberge eine schwarze Henne mit rotem Kamm. Der Haupterwerb des ehemals hennebergischen Ortes war ursprünglich der Eisenerzbergbau. Daraus erklärt es sich, dass eine Berghacke, gekreuzt mit einer Erzmulde in das Siegelbild genommen wurde; letztere wurde dann später dem Wortklang des Stadtnamens entsprechend für eine Sohle gehalten. Die Mauerzinnen und Türme symbolisieren das Stadtrecht und die auf dem Dreiberg stehende Henne ist das Symbol der ehemals herrschenden Henneberger Grafen. Die Flagge der Stadt Suhl ist blau-gelb längs gestreift und trägt in der Mitte das Stadtwappen.

Bodenfunde auf dem Gebiet der heutigen Stadt Suhl belegen einen Aufenthalt von Menschen schon um 2000 v.Chr. Etwa 500 v.Chr. wurden dann mit der Einwanderung keltischer Volksstämme im Suhler Raum Menschen sesshaft; diese brachten auch die Kenntnisse zur Eisengewinnung und -verarbeitung mit. Römische Münzfunde aus dem 2. Jahrhundert auf einer alten Wegetrasse des späteren Stadtbereiches Suhl lassen eine frühe Passierbarkeit der Lautertalenge vermuten, was eine nahe Ansiedlung voraussetzte. Um 800 werden etliche der heutigen Ortschaften im Haseltal urkundlich erwähnt: um 900 erscheinen in einem Verzeichnis des Klosters Fulda über die ihm zugeflossenen Schenkungen mehrere Male die Ortsnamen „Sulaha“ und „Suhlaha“; die Orte Heinrichs und Albrechts werden in einer auf das Jahr 1111 bezogenen Urkunde angeführt. 1318 wird in einer Urkunde Suhl hinsichtlich einer Lagebestimmung von „Nuwendorff by Sule“ erstmals nachweislich benannt; 1359 wird das „Dorffe tzu Sule“ Leibgedinge der Gräfin Elisabeth von Henneberg, der Witwe des Grafen Johann von Henneberg. 1445 wird Suhl in einer Urkunde als Flecken mit einer eigenen Urkunde benannt und für 1475 wird das älteste erhaltene Briefsiegel mit der Umschrift „S. opidis Sula“ (Siegel der Stadt Suhl) nachgewiesen. 1527 erhielt Suhl Stadtrecht und eine Stadtgemeinde-Verfassung. Mit dem Tod des Grafen Georg Ernst 1583 stirbt das Geschlecht der gefürsteten Grafen von Henneberg aus, in dessen Folge 1584 Suhl unter eine gemeinsame Landesregierung von Kursachsen und dem ernestinischen Herzogshaus kommt. Die Herstellung von Waffen führte in Suhl nicht immer zum Segen der Einwohner. So führte etwa der Verkauf an Freund und Feind mehrfach zu schweren Zerstörungen der Stadt, beispielsweise am Gallustag 1634 durch kroatische Horden unter Isolani. 1660 übernehmen die Herzöge von Sachsen- Naumburg-Zeitz die Regierung über das Gebiet um Suhl und 1718 kommt Suhl unter die Regierung des Kurfürstentums Sachsen; 1815 schließlich fällt Suhl unter die Herrschaft des Königreichs Preußen. Erst 1946 kam der zum preußischen Regierungsbezirk Erfurt, Provinz Sachsen gehörende Kreis Schleusingen mit der Stadt Suhl zum Land Thüringen; 1952 wurde Suhl Verwaltungszentrum des gleichnamigen Bezirkes und 1967 erhielt Suhl die Rechte einer kreisfreien Stadt.

Die kreisfreie Stadt Suhl liegt am Südwesthang des Thüringer Waldes in einer Höhe von 400 bis etwa 900 m ü.NN; höchster Punkt ist der Fichtenkopf mit 944 m über NN. Die Stadt selbst erstreckt sich im Tal von Steina, Lauter und Hasel auf einer durchschnittlichen Höhe von 450 m über NN, umgeben von bewaldeten Bergen; unmittelbar aus dem Stadtzentrum erhebt sich steil der Suhler „Hausberg“, der Domberg, der 675 Meter misst. Die Stadt hat eine Fläche von 103 Quadratkilometern und 49.206 Einwohner (31.12.1999), die in den insgesamt 9 Ortsteilen leben. Verkehrstechnisch ist Suhl an die Hauptstrecke der Eisenbahn Erfurt – Meiningen – Schweinfurt – Würzburg und an das Bundesstraßennetz – B 247 in Richtung Gotha und Eisfeld – angebunden; die Thüringer-Wald-Autobahn A 71/73 mit der Anbindung Suhls an das Autobahnnetz befindet sich im Bau.

Bekannte Suhler Persönlichkeiten sind der Graveur und Steinschneider Johann Veit Döll (1750 – 1835), der in Suhl lebende Erfinder der Schnelldruckpresse Friedrich König (1774 – 1833), der 1780 in Suhl geborene Liederschreiber Dr. Ernst Gebhard Anschütz („Fuchs, du hast die Gans gestohlen“, „Alle Jahre wieder“, „Es klappert die Mühle“), der Maler und Grafiker Alexander Gerbig (1878 – 1948), der Heimatmaler (Zyklus „Das alte Suhl“) Otto Bruch-holz (1891 – 1978), der Rennfahrer Paul Greifzu (1902 – 1952), der Sportschütze (Olympia-Silbermedaille 1936, Weltmeisterschafts-Goldmedaille 1939) Erich Krempel (1913 – 1992) sowie der Komponist des Rennsteigliedes und weiterer bekannter Kompositionen Herbert Roth (1926 – 1983).

Erzbergbau und Eisenverarbeitung zählen neben Glasherstellung und Salzgewinnung zu den ältesten Suhler Erwerbszweigen. Die Fertigung von Sicheln und Wagen wird bereits 1155 genannt und von Harnischen, Panzern und Schwertern im Jahr 1499 nachgewiesen. 1548 bildet sich in Suhl eine Leineweber-Zunft und 1555 wird die Innung der Rohr- und Büchsenschmiede gegründet. 1563 erhalten die „Schlösser, Büchsenmacher, Spohrer und Windenmacher“ vom Grafen Georg Ernst von Henneberg ihre Innungsprivilegien. Um diese Zeit arbeiten in Suhl 6 Eisenhämmer (d.h. Eisenschmelzöfen), die 10 Büchsenschmiede und 22 Kleinschmiede mit Eisen für etwa 50 Meister versorgten, die jährlich bis zu 25 000 Stück Handfeuerwaffen herstellten. Gleichzeitig erfolgte in dieser Zeit ein erneuter Aufschwung des Eisenbergbaus am Döllberg, Domberg und Bock sowie des Kupferbergbaus am Döllberg und in der Goldlauter, dort auch Silberfunde. Am Döllberg arbeiteten zeitweise bis zu 300 Bergleute. Ihre wirtschaftliche Blüte erreichte die Stadt ab 1584 durch Eisengewinnung und -verarbeitung, Gewehrfabrikation, Barchentweberei und Handel. 1652 kommen mit dem Erhalt der Concession 12 Branntweinbrennereien hinzu. Nach dem Ende des Eisenerzbergbaus am hinteren Domberg 1860 beginnt 1861 die Entwicklung einer bedeutenden Porzellanindustrie. 1871 entsteht die Gleichmann’sche Glashütte, vornehmlich zur Herstellung von Flaschenglas. Nach 1871 entwickelte sich eine vielfältige Industrie, die zum Teil bis in die heutige Zeit erhalten blieb. Traditionelle Fertigungen in Suhl sind Roller und Mokicks aus der Simson Zweirad GmbH, Compact Discs aus der CDA Datenträger Albrechts GmbH und Jagdwaffen aus dem Suhler Jagd- und Sportwaffen GmbH. Durch die Lage inmitten des Thüringer Waldes bietet die Stadt auch touristische Anziehungspunkte, so u.a. die mehr als 500 Jahre alte Hauptkirche St. Marien, die barocke Kreuzkirche – Vorbild der katholischen Hofkirche in Dresden, das Waffenschmied-Denkmal auf dem Marktplatz, das einzigartige Waffenmuseum im Malzhaus, das historische Fachwerkhaus und das Heinrichser Rathaus, das Congress Centrum Suhl (CCS) mit dem Ottilienbad, das Schießsportzentrum auf dem Friedberg, die Schul- und Volkssternwarte, die Ottilienkapelle am Domberg sowie die staatlich anerkannten Erholungsorte und heutigen Stadtteile Goldlauter-Heidersbach und Vesser – letzterer mit dem UNESCO-Biosphärenreservat „Oberes Vessertal“, Dietzhausen mit einem Teilstück des geologischen Wanderweges Rennsteig – Dolmar und Heinrichs und Neundorf mit ihren Fachwerkbauten im hennebergisch-fränkischen Stil.

Die Bildungseinrichtungen umfassen 8 Grundschulen und 1 Jena-Plan-Schule, 6 Regelschulen, 2 Gymnasien, 2 Förderschulen, 2 berufsbildende Schulen mit der Berufsfachschule für Büchsenmacher, die städtische Musikschule und das Volkshochschul-Bildungszentrum. Für die gesundheitliche und soziale Betreuung stehen das Zentralklinikum Suhl, mehrere Seniorentreffpunkte/Seniorenklubs, Senioren-Wohnhäuser sowie auch eine ganze Reihe von Jugendtreffpunkten und Jugendeinrichtungen zur Verfügung. Für die sportliche Betätigung bietet die Stadt ein Stadion, die Sporthalle Wolfsgrube, das Ottilienbad, 3 Freibäder, das Schießsportzentrum Suhl-Friedberg, in Suhl-Goldlauter den Segel- und Motorsportflugplatz und zahlreiche private Sport-Center an. Kulturelle Freizeitangebote bieten das Cineplex-Kino, das Congress Centrum Suhl – Spielstätte der Thüringen Philharmonie Gotha/Suhl, Galerien im CCS, im Haus Philharmonie und im Rathaus am Marktplatz sowie der Tierpark in der Suhler Schweiz. Traditionelle Heimatfeste sind das Dombergfest, das Ottilienfest, das Heinrichser Maifest sowie das alle zwei Jahre gefeierte Suhler Schützenfest.