
Am 16. Januar 1995 erteilte das Thüringer Landesverwaltungsamt dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt die Genehmigung zur Führung des Landkreiswappens mit folgender Blasonierung: Das Wappen ist geviert und zeigt in den Feldern 1 und 4 auf goldenem Grund einen schwarzen, golden nimbierten, rot bewehrten Doppeladler, die Brust belegt mit einem goldenen Schild und einem Fürstenhut, über den Adlerköpfen schwebend eine Kaiserkrone mit roten Kappen, in den Fängen ein goldenes Zepter und einen goldenen Reichsapfel haltend, darunter eine rote Streugabel über einem roten Kamm; die Felder 2 und 3 sind neunmal von Schwarz und Gold geteilt, belegt mit einem schrägrechten grünen Rautenkranz. In den Quartieren 1 und 4 ist jeweils das kleine Staatswappen der ehemaligen Fürstentümer Schwarzburg angebracht. Der in Verbindung mit der Erhebung der Schwarzburger in den Reichsfürstenstand 1697 als Gnadenzeichen verliehene kaiserliche Reichsdoppeladler wurde im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert als kleines Staatswappen geführt. Die Hauszeichen der Schwarzburger, allgemein als Kamm und Gabel bezeichnet, zählen zu den frühen Wappenzeichen dieses Geschlechts, das zu den ältesten in Deutschland gehörte. Der „Kamm“ erscheint als ritterliche Helmzier wahrscheinlich. Bei der Gabel handelt es sich um eine Forke oder Schlackengabel des in unserer Landschaft durch den Bergbau auf Erze bedeutenden Hüttenmannstandes. Die Felder 2 und 3 beinhalten jeweils das sächsische Wappen, das aus einem goldenen Schild mit fünf schwarzen Balken und aufgelegtem Rautenkranz mit neun Zinken besteht. Dieses Wappen steht für die ehemaligen wettinischen Gebiete im heutigen Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Die im Februar 1995 genehmigte Flagge des Landkreises ist grün-gelb längs gestreift und trägt das Kreiswappen.
Als dominierende zentrale Orte der Region blicken die Städte Saalfeld, Rudolstadt und Bad Blankenburg auf eine lange wechselvolle Vergangenheit zurück. Gemeinsam bilden sie heute als „Städtedreieck am Saalebogen“ einen landschaftlich reizvollen und starken Wirtschafts- und Lebensraum. Wichtige Abschnitte in der Geschichte der Städte wurden dabei durch das Geschlecht der Schwarzburger Grafen und späteren Fürsten geprägt. Diese gelangten 1208 als Auswirkung eines Thronstreites zwischen Staufern und Welfen in den Besitz der Stadt Saalfeld (Stadtrecht seit 1208). Mit dem Verkauf Saalfelds und seiner Umgebung an das Haus Wettin wurde die Stadt von 1389 bis 1920 sächsisch. Um 1500 war Saalfeld durch seine Bildschnitzerwerkstätten weithin bekannt. Von 1676 bis 1735 fungierte die Stadt als Residenz im Herzogtum Sachsen-Saalfeld und war bis ins 19. Jahrhundert hinein bedeutende Berg- und Münzstadt im sächsischen Einflussbereich. Im Zuge der Verwaltungsreform des Herzogtums Sachsen-Meiningen, dem die Saalfelder Region seit 1826 zugeordnet war, wurde 1868 in Saalfeld ein Landratsamt eingerichtet, das 1922 Behörde des neu geschaffenen Landkreises wurde. Nach einer Erbteilung innerhalb der Grafschaft Schwarzburg entstand ab 1285 die Linie Schwarzburg-Blankenburg, die auf der damaligen Blankenburg ihren Sitz hatte. Dieser Linie entstammte auch der 1349 zum deutschen König gewählte Graf Günther XXI. Die Burg - heute Burg Greifenstein genannt - in der er 1304 geboren wurde, ist bis heute das Wahrzeichen der Stadt Bad Blankenburg (Stadtrecht seit 1323). Der wohl bekannteste Bürger Blankenburgs ist der Reformpädagoge Friedrich Fröbel, der seit 1837 hier lebte und 1840 im heutigen Fröbelsaal des Rathauses den ersten Allgemeinen Deutschen Kindergarten gründete. Im selben Jahr wurde der Kur- und Badebetrieb mit der Errichtung einer Kaltwasserheilanstalt aufgenommen. 1911 verlieh Fürst Günther von Schwarzburg-Rudolstadt der Stadt die Bezeichnung „Bad Blankenburg, Thüringerwald“. Die Stadt Rudolstadt (Stadtrecht seit 1326) kam 1340 endgültig zum Hause Schwarzburg. 1571 erwählten die Grafen von Schwarzburg, seit 1710 Fürsten, die Stadt als ständige Residenz. Schlösser und Gärten entstanden, Handwerk und Gewerbe blühten auf. Die Zeit Ende des 18. Jahrhunderts, als große Dichter und Philosophen in Rudolstadt weilten, begründete den Ruf Rudolstadts als Klassiker- und Kulturstadt. Das hiesige Landestheater blickt auf eine mehr als 200-jährige Geschichte zurück. Paganini und Liszt konzertierten hier. Goethe, vor allem aber Schiller, fühlte sich mit Rudolstadt und seiner Landschaft eng verbunden. Bis 1918 war Rudolstadt Hauptstadt des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt und seit 1850 Sitz des neu gebildeten Landratsamtsbezirkes. Nach der Abdankung des letzten Fürsten, Günther Victor von Schwarzburg-Rudolstadt, im November 1918 blieb ein Großteil des ehemaligen Fürstentums zuerst in einem Freistaat, später als Bestandteil des neuen Landes Thüringen vereint. Nach der Gründung des Landes Thüringen im Jahre 1920 entstand 1922 der Landkreis Rudolstadt. Während die Gebietsreform 1952 Jahrhunderte alte Strukturen zerstörte, wurde mit der Kreisgebietsreform von 1994 überwiegend an historisch gewachsene Gebietsaufteilungen angeknüpft. Es entstand ein landschaftlich vielgestaltiger und wirtschaftlich leistungsstarker Landkreis.
Die Fläche des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt umfasst 1.035 Quadratkilometer. Sie gliedert sich u.a. in 52 Prozent Wald- und 36 Prozent Landwirtschaftsfläche. Der höchste Punkt mit 827 m über NN befindet sich an der Gemarkungsgrenze Piesau-Spechtsbrunn direkt am Rennsteig. Der tiefste Punkt mit 169 m über NN liegt in der Gemarkung Niederkrossen in der Gemeinde Uhlstädt-Kirchhasel. Am 31.12.2005 lebten im Landkreis in insgesamt 43 Gemeinden - darunter neun Städte - 125.087 Bürger. Das Verkehrsnetz des Landkreises umfasst 145 km Bundesstraßen der B 85, B 88 und der B 281, 286 km Landesstraßen und 218 km Kreisstraßen. Begünstigend für die Region ist die Lage an der Eisenbahnhauptstrecke Berlin-München. Verkehrsknotenpunkt der Deutschen Bahn AG mit IC-Halt ist Saalfeld.
Der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt als traditioneller Wirtschaftsstandort ist geprägt durch über 100 bedeutende Industriebetriebe und zählt zu den umsatz- und exportstärksten Regionen Thüringens. Einer der modernsten Stahlproduzenten Europas, ein Unternehmen der Alfonso Gallardo Gruppe, und eine erst 2005 in Betrieb genommene Papierfabrik der Firma Jass befinden sich hier. Wachstums- und Leitbranchen – wie die chemische Industrie, die Medizintechnik, Elektrotechnik/Elektronik, der Maschinen- und Werkzeugbau, Kunststofftechnik und Fahrzeugbau – tragen neben der Nahrungsgüterproduktion und traditionsreichen Unternehmen der Porzellan- und Glasverarbeitung zu einem breiten Branchenspektrum bei. Über 8.000 Unternehmen sind im Landkreis tätig. Eine Vielzahl von ihnen zeichnen sich durch eine hohe Innovationstätigkeit aus. Darüber hinaus leistet das Innovations- und Gründerzentrum in Rudolstadt-Schwarza einen wichtigen Beitrag zur Förderung weiterer zukunftsweisender Firmengründungen. Ansässige Forschungsdienstleister mit ausgezeichnetem nationalem und internationalem Renommee, wie das Thüringische Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung e. V. (TITK) stellen das Bindeglied zwischen Grundlagenforschung und technischer Umsetzung neuer Erkenntnisse dar. Die Böden des ländlichen Raumes im Landkreis sind nur bedingt für die Landwirtschaft nutzbar. Deshalb entfernt sich dieser Wirtschaftszweig immer mehr von der einseitigen Produktionsorientierung hin zur Erhaltung und Pflege der Kulturlandschaft. Zunehmend bieten die Landwirte regionaltypische Erzeugnisse in Eigenvermarktung zum Verkauf. In Kombination mit anderen Erwerbsformen – wie der Urlauberbetreuung und der Reittouristik – gewinnt der Erwerbszweig des Landwirtes neue Bedeutung.
Der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt gehört mit seiner vielgestaltigen Landschaft und der Fülle seiner kulturellen Zeugnisse zu den schönsten Gegenden Thüringens. Die Kreisstadt Saalfeld ist als „Steinerne Chronik Thüringens“ bekannt und bietet mit den „Feengrotten“, die als farbenreichste Schaugrotten der Welt gelten, ein weit über Thüringen hinaus bekanntes touristisches Highlight. Im Stadtmuseum im Franziskanerkloster wird auf interessante Weise neben Sonderausstellungen auch Stadt- und Regionalgeschichte präsentiert. Ein Besuchermagnet ist auch die Heidecksburg in Rudolstadt, die mit der Eröffnung der Dauerausstellung „Rococo en miniature – Die Schlösser der gepriesenen Insel“ im Mai 2007 eine neue Attraktion hinzugewonnen hat. Sehenswert sind im Heinrich-Heine-Park der Stadt auch die Thüringer Bauernhäuser, das älteste volkskundliche Freilandmuseum in Deutschland. Anfang Juli jeden Jahres gibt Rudolstadt sein ansonsten eher beschauliches Kleinstadtdasein auf und verwandelt sich zum Tanz&Folkfest – das Musiker und Tänzer aus aller Welt vereint – in einen Ort brodelnder Lebensfreude. In Bad Blankenburg, dem Tor zum Schwarzatal, kann man das Fröbelmuseum besichtigen und die Burgruine Greifenstein. Auch das Umland des Städtedreiecks wartet mit vielen Sehenswürdigkeiten auf. Zu ihnen gehören unter anderen die unter dem Schutz der UNESCO stehende Klosterkirchenruine Paulinzella mit dem Museum für Jagd-, Forst- und Klostergeschichte im angrenzenden Jagdschloss, die Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn, das Wasserschloss Kochberg mit seinem Liebhabertheater unweit von Rudolstadt in Großkochberg, das durch die Freundschaft zwischen Johann Wolfgang von Goethe und Charlotte von Stein bekannt wurde, das Schaubergwerk „Morassina“ in Schmiedefeld mit seinen farbigen Tropfsteingrotten und die Gegend um Lehesten mit ihren Zeugnissen zum historischen Schieferbergbau. Neben einem gut ausgebauten Verkehrsnetz erschließen eine Vielzahl von Rad- und Wanderwegen die Schönheiten der Region.
Mit den Thüringen-Kliniken "Georgius Agricola" Saalfeld-Rudolstadt GmbH mit Standorten in Saalfeld, Rudolstadt und Pößneck (im benachbarten Saale-Orla-Kreis) verfügt die Region über ein modernes, leistungsfähiges medizinisches Zentrum. Darüber hinaus gibt es im Kreis mehrere Sanatorien und Kureinrichtungen zur gesundheitlichen Rehabilitation.