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Stadt Gera

Das Stadtwappen der Stadt Gera zeigt in einem schräggestellten, dreikantigen Schild einen aufrecht stehenden, nach rechts gewandten, goldenen, doppelschwänzigen, ungekrönten Löwen auf einer schwarzen Grundfläche. Ein goldener Turnierhelm mit zweiseitigen goldenen und auf der Rückseite schwarzen Blätterverzierungen befindet sich zur Zierde auf der linken Schildecke. Über dem Helm sind links vier Pfauenfedern mit doppelten Pfauenaugen und rechts drei einfache Blätter von gleicher Größe zu finden. So wird das Wappen in der Hauptsatzung der Stadt Gera vom 16. Februar 1995 beschrieben. Bereits seit dem 14. Jahrhundert ist das Stadtwappen Geras nachweisbar. Das Wappentier, der Plauener Löwe, wurde von den Vögten von Weida, den einstigen Territorialherren, übernommen. Die Flagge ist schwarz-gold längs gestreift. Gera wurde erstmals im Jahre 995 namentlich erwähnt: König Otto III. hat am 31. März 995 der Kirche in Zeitz die Landschaft Ponzowa mit dem festen Platz Crossen übereignet; in einer der Urkunde angefügten Grenzbeschreibung wird der Name Gera zum ersten Mal erwähnt. Um 1200 wurde Gera als Pfarrdorf genannt. Nur wenige Jahre später, 1237, wurde Gera zum ersten Mal als Stadt genannt, und seine Einwohner wurden als Bürger bezeichnet. Die am Kreuzungspunkt regionaler Landstraßen verkehrsgünstig gelegene Stadt entwickelte sich zu einem gewerblichen Zentrum Ostthüringens. Die Tuchmacher bildeten sich als bedeutendste Zunft der Stadt heraus und stellten einen großen Teil ihrer Erzeugnisse für den Export her. Geraer Tuche wurden bereits 1401 auf der Naumburger Messe und seit 1436 auf der Leipziger Messe feilgeboten. Mitte des 15. Jahrhunderts setzten die Geraer Tuchmacher und Wollhändler eine stärkere städtische Selbstverwaltung durch. Das ursprünglich vom Stadtherrn, den Vögten von Weida, gesetzte Recht wurde 1487 durch ein neues Stadtrecht abgelöst. Die „Geraer Statuten“ von 1487, das älteste schriftlich überlieferte Geraer Stadtrecht, diente einer Reihe ostthüringischer Städte zum Vorbild. Durch die 1831 erlassene Stadtordnung errangen die Bürger wieder das Recht zur kommunalen Selbstverwaltung zurück, das in der Zeit des absolutistischen Ständestaates im 17. und 18. Jahrhundert verloren gegangen war. Nach der Vereinigung der drei preußischen Teilherrschaften Schleiz, Ebersdorf und Gera zum Fürstentum Reuß j.L. im Jahre 1848 wurde Gera Haupt- und Residenzstadt. Nach dem Sturz der Monarchie und der Ausrufung der Republik in der Novemberrevolution 1918 erzwangen die Geraer am 10. November 1918 den Rücktritt von Fürst Heinrich XXVII. und des Oberbürgermeisters Dr. Ernst Huhn. Am 1. Mai 1920 ging der Volksstaat Reuß dann mit sechs weiteren thüringischen Kleinstaaten in dem neu gebildeten Land Thüringen auf; Gera wurde kreisfreie Stadt. Zu dieser Zeit war Gera die größte Stadt Thüringens; Erfurt war mit anderen preußischen Gebietsteilen dem Land Thüringen nicht beigetreten. So war Gera bis zum Ende des zweiten Weltkrieges das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Zentrum Thüringens.

Die Stadt Gera liegt in einer reizvollen Hügellandschaft entlang des Ufers der Weißen Elster im Schnittpunkt der drei Großlandschaften Thüringer Becken, Sächsisches Hügelland und Sächsisch-Thüringischer Mittelgebirgsgürtel. Die Ortshöhenlage beträgt 205 m NN (Stadtmittelpunkt, Markt); die höchste Erhebung beträgt 354,4 m NN (südwestlich von Falka). Die Fläche des Stadtgebietes beträgt 152 Quadratkilometer. Die Stadt Gera hat 102.733 Einwohner (31.12.2006). Verkehrsanbindungen per Straße und Schiene bestehen mit den beiden Autobahnanschlussstellen der Ost-West-Autobahn A 4, den Bundesstraßen B 2, B 7 und B 92 sowie mit Regionalexpress-Linien bis München und Göttingen sowie in die nahe gelegenen ICE-Knotenpunkte Leipzig, Weimar, Jena und Saalfeld; außerdem hat die Stadt Gera einen Flugverkehrslandeplatz für eine maximale Abflugmasse von 5,7 t.

Berühmtester Sohn Geras ist der am 2.12.1891 in Gera geborene Maler Otto Dix, dessen Geburtshaus eine ständige Ausstellung über sein Leben und Werk zeigt. Besonders die Lagegunst und die qualifizierten Arbeitskräfte weisen die Stadt als Wirtschaftsstandort von Rang aus. War Gera bis 1990 bedeutender Industriestandort der Branchen Textilmaschinenbau, Textilindustrie, Maschinenbau, Elektronik und Feinmechanik/Optik entwickelte sich dieser nunmehr zu einem Dienstleistungszentrum sowie zum Standort der Automobilindustrie, des Maschinenbaus, der optischen Industrie und der Umwelttechnologie. Touristische Anziehungspunkte bietet Gera mit dem kleinen und überschaubaren Marktplatz, der durch seine Geschlossenheit und die beiden Renaissancebauten Rathaus und Stadtapotheke zu den schönsten in Thüringen zählt. Hervorhebenswert sind das restaurierte, reich geschmückte Portal des Rathauses und der Simsonbrunnen, ein barockes Kunstwerk eigener Prägung. Als Zeichen der Stärke und des Selbstbewusstseins des aufstrebenden Bürgertums wurde der Brunnen 1686 von Caspar Junghans geschaffen. Sehenswert sind außerdem die Orangerie und das ehemalige Zucht- und Waisenhaus, das heute das Stadtmuseum beherbergt, das ab April 2007 wieder in neuem Glanz erstrahlende Jugendstiltheater Gera sowie die um 1720 errichtete Salvatorkirche mit ihrer Jugendstilausstattung, die gotische St. Trinitatiskirche mit ihrer prächtigen Altar- und Deckenmalerei und die Marienkirche mit einem spätgotischen Flügelaltar aus der Zeit um 1500. Vom im Zweite Weltkrieg zerstörten Schloss Osterstein ist nur der als Ausstellungsstätte genutzte Bergfried erhalten. Besonders interessant ist Geras „Unterwelt“ mit ihren Höhlern – tief liegende Wirtschaftskeller, die im 17. und 18. Jahrhundert zur Bierlagerung genutzt wurden. Mit der BUGA 2007, der Bundesgartenschau, wurde in den beiden Städten Gera und Ronneburg ein weiterer touristischer Anziehungspunkt geschaffen: im innerstädtischen Hofwiesenpark Gera entstand ein attraktiver Stadtpark mit weiten Grünflächen und sanften Konturen am Ufer der Weißen Elster. Aus einer ehemaligen Werkhalle entstand eine Blumenhalle, die klassische Blumen- und Pflanzenschauen beherbergt. Als Schmuckstück präsentiert sich die barocke Pracht des rekonstruierten Küchengartens, der zwischen saniertem Jugendstiltheater und neu gestalteter Orangerie liegt. Am Ufer der Weißen Elster wurde im Park der Villa Jahr eine weitere Ausstellungsfläche für die Friedhofsgärtner und Steinmetze sowie ein gesonderter Ausstellungsbeitrag für Kleingartenanlagen geschaffen. Das Veranstaltungs- und das Spieloval für Kinder runden den Geraer Teil des Ausstellungsgeländes ab.

Heute in Gera bevorzugte Traditionssportarten sind der „Gersche“ Radsport, dem Olaf Ludwig Weltgeltung verschaffte, Boxen und Rollschnelllauf. Im modernen Reitstadion Gera-Milbitz finden seit 1990 populäre und anerkannte Wettkämpfe, u.a. internationale Dressur- und Springturniere, statt; so war der Turnierplatz bereits viermal hervorragender Gastgeber der Deutschen Meisterschaften in den beiden Disziplinen Springen und Dressur. Aber auch Boxkämpfe, spannende Radrennen und andere sportliche Wettbewerbe im Sportkomplex am Stadion und im Olympiastützpunkt Vollersdorfer Straße sorgen für ständige Abwechslung. Interessante Ausstellungen zeigen das Museum für angewandte Kunst, das Museum für Naturkunde und das Stadtmuseum. Die Geraer Orangerie im ehemaligen Küchengarten der Fürsten Reuß jüngere Linie beherbergt die Kunstsammlung Gera mit der neu konzipierten Schausammlung „Von Cranach zu Dix" und für ein anspruchsvolles Sonderausstellungsprogramm. Die aus der Fusion der beiden Theater Gera und Altenburg entstandene Theater&Philharmonie Thüringen bietet das ganze Jahr lang ein Angebot, das seinesgleichen sucht: große Oper, Schauspiel, Musical und Operette, Puppentheater für Groß und Klein, experimentelle Produktionen in der frisch eröffneten Bühne am Park Gera oder im Altenburger Heizhaus, anspruchsvolle Tanzproduktionen des größten Thüringer Ballettensembles. Nicht zu vergessen die deutschlandweit beachtete Jugendarbeit der TheaterFABRIK, die renommierten Geraer Ballett-Tage und die überregional beliebten Prinzenraubfestspiele. Mit circa 165.000 Besuchern jährlich ist es das Theater Thüringens mit den meisten Zuschauern. Mit dem Kultur- und Kongresszentrum verfügt Gera über eine große und moderne Veranstaltungshalle. Traditionelle Stadtfeste sind u.a. das Dahlienfest und das Geraer Höhlerfest; mit der Biennale „Goldener Spatz“, einem Kinderfilmfestival von internationalem Rang, wird eine Tradition fortgesetzt.