
Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig sieht in den aktuellen Arbeitsmarktzahlen einen „stabilen Positivtrend“. „Ich halte es für realistisch, dass Thüringen in diesem Jahr erstmals unter die 9-Prozent-Marke kommt“, sagte Machnig. Zugleich sieht der Minister eine strukturelle Spaltung des Arbeitsmarkts: „Die Jüngeren profitieren deutlich, bei den Älteren und Langzeitarbeitslosen kommt der Aufschwung noch zu wenig an“, so Machnig. „Genau dieses Problem wollen und müssen wir mit dem Landesarbeitsmarktprogramm angehen.“
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit ist die Thüringer Arbeitslosenquote im August auf 9,2 Prozent gesunken – den mit Abstand niedrigsten Wert unter den neuen Ländern. Während allerdings die Quote bei den unter 25-Jährigen im Vorjahresvergleich um 30,6 Prozent (unter 20-Jährige: -37,9 Prozent) gesunken ist, war sie bei den über 55-Jährigen nur um 4,1 und bei den Langzeitarbeitslosen um 7,2 Prozent rückläufig. Derzeit sind im Freistaat immer noch mehr als 34.000 Menschen länger als ein Jahr arbeitslos, genauso wie knapp 38.000 Menschen über 50 Jahre. „Diese strukturelle Verkrustung auf-zubrechen, ist eine sozialpolitische Herausforderung und zugleich ein Beitrag zur Fachkräftesicherung“, sagte Machnig. Das Thüringer Landesarbeitsmarktprogramm sei notwendig, um auch für geringer Qualifizierte wieder gute Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen.
Nicht zufriedenstellend sei auch, dass der derzeitige Aufschwung am ersten Arbeitsmarkt vor allem auf eine Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse zurückzuführen sei. Vor allem die Leih- und Zeitarbeit gehöre zu den Boom-Branchen, die für einen Großteil des Beschäftigungszuwachses stehen. So ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen zwischen Juni 2009 und Juni 2010 um 14.100 gewachsen – dieser Zuwachs entfällt aber mit rund 8.700 Stellen bzw. 62 Prozent allein auf die Zeitarbeit. „Deshalb ist es das Mindeste, jetzt faire Rahmenbedingungen für die Leiharbeit zu schaffen, einen Mindest-lohn in dieser Branche einzuführen und damit die derzeitige Schlechterstellung zu beenden“, so Machnig.
Stephan Krauß